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VIII. Der Krieg von 1870/71
Die gewonnenen Stellungen sollten sofort befestigt werden, um jedenDurchbruch unmöglich zu machen. Gegen Orleans und die Loire hinsollte die III. Armee aufklären und Entsatzversuche nötigenfalls nahe heran-kommen lassen, um sie dann mit ganzer Kraft zurückzuweisen, währendschwache Abteilungen in der Einschließungslinie blieben.
Am 18. September wurde der Vormarsch, unter leichten Zusammen-stößen mit dem Feinde, eingeleitet und am 19. von beiden Armeen zumAbschluß gebracht. Auf der nördlichen Seite der Riesenstadt rückte das4. Korps, ohne Widerstand durch das Geschützfeuer der vorgeschobenenkleinen Festung St. Denis zu finden, bis zur Seine unterhalb Paris vor.Das Gardekorps folgte ihm bis zur großen Straße von Paris nach Lille und stellte sich dort auf. Der vor seiner Front entlangfließende Moree-bach wurde besetzt und angestaut. Weiter östlich nahm das 12. KorpsStellung bis zur Marne hin, an deren linkem Ufer sich die württember-gische Division, als der nächstbenachbarte Truppenteil der III. Armee,anschloß. Sie rückte bis Champigny vor. Nirgends kam es bei diesenBewegungen zu ernsten Zusammenstößen.
Widerstand leisteten die Franzosen nur auf der Südseite. Dort mar-schierte das 5. Armeekorps den anderen voran nach Versailles . Es warenaber bereits am 18. September starke französische Streitkräfte am Waldevon Meudon bemerkt worden. Anscheinend wollte sich der Feind die dortvor der Festung gelegenen Höhen nicht ohne weiteres entreißen lassen.Es war das 14. Korps, verstärkt durch eine Division des 13., die jetzt,am 19. gegen die rechte Seitendeckung der anmarschierenden Preußen vor-gingen und diese bei Villacoublay—Bicstre angriffen. Bald entspann sichein lebhaftes Gefecht, in das zahlreiche Artillerie eingriff. Dem 5. preußischenKorps kam indessen schon in den Morgenstunden das nachfolgende 2. baye-rische zu Hilfe, und das anfangs hin und herwogende Gefecht wurde balddurch Umfassung auf beiden Flügeln zu ungunsten der Franzosen entschie-den. Am Nachmittage wichen sie in Verwirrung nach Paris zurück. DerZustand des 14. Korps war dabei ein solcher, daß die Division des 13.der Sicherheit halber die Wälle besetzen mußte.
Der Verlust der Deutschen belief sich auf 443 Tote und Verwundete,während die Franzosen 661 Mann und außerdem 300 Gefangene ein-büßten.
Das 5. Korps nistete sich dann in und um Versailles ein, das 2. baye-rische rechts neben ihm auf der Hochfläche von Bizstre, und wiederumrechts neben diesem das 6. Korps an den Straßen nach Fontainebleau und Orleans . Hier stieß es rechts an die württembergische Division, so