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daß jetzt der Ring um die feindliche Hauptstadt geschlossen war, — keineiserner, der durchbrochen werden kann, sondern ein elastischer, der dasOpfer festhält, auch wenn er sich vorübergehend an einer Stelle erweitert. —Überall machten sich die Truppen sofort daran, die Einschließungsliniezu befestigen, wobei die vielen Ortschaften, Schlösser und Schlößchenaller Art nützliche Dienste leisteten. Schon waren auch das 11. preußischeund 1. bayerische Korps, nach Erledigung ihrer Geschäfte bei Sedan, nahcherangekommen. Sie standen, nur noch zwei Tagemärsche entfernt, bereit,sich in die Linie der Belagerer einzuschieben. Freilich ließ sich voraus-sehen, daß das Mittel der Einschließung längerer Zeit bedürfen würdeals Bombardement und Sturm, um den Gegner zu bezwingen, aber eswar dafür auch sicherer als ein Anlauf gegen die 18 Fuß hohen Mauernder Forts und die dahintergelegene Hauptumwallung.
Der Fall von Toul und Straßburg am 23. und 27. September 1.370
(S. Skizze S1)
Das 13. deutsche Armeekorps, das an den heimischen Küsten inzwischenverfügbar geworden und dem Heere nachgerückt war, haben wir bereits beiMetz erscheinen sehen. Es marschierte jedoch von dort aus alsbald weiterins Land hinein und teilte sich derart, daß die 2. Landwehrdivision dieSicherung der rückwärtigen Verbindungen der Armee vor Paris , sowiedie Belagerung von Soissons übernahm, während die 17. DivisionToul belagern und ClMons besetzen sollte. Vor dem Fall von Toul war an eine Belagerung der Hauptstadt überhaupt nicht zu denken, weildazu erst der Geschützpark aus Deutschland herangezogen werden mußte.Es wurde also wichtig, die Festung möglichst schnell zu nehmen. Der aufder Nordseite gelegene beherrschende Mont St. Michel bot dazu die besteGelegenheit. In der Nacht zum 23. September wurden dort die Bat-terien aufgestellt, und in der Frühe aus 62 Geschützen das Bombarde-ment gegen den kleinen enggebauten Platz begonnen. Nachmittag gegen2^/2 Uhr wehte die weiße Fahne auf seinen Wällen. 109 Offiziere, 2240Mann gingen unter den Bedingungen von Sedan in die Gefangenschaft,71 schwere Geschütze wurden erbeutet und leisteten gute Dienste bei wei-teren Beschießungen.
Schwieriger und langwieriger gestaltete sich der Kampf um Straßburg ,das noch immer als eine der stärksten Festungen des Abendlandes ange-sehen werden konnte, wenngleich es außer dem, am rechten Rheinufer ge-legenen, Brückenkopf von Kehl kein weiter vorgeschobenes Vorwerk besaß.