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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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VIII. Der Krieg von 1870/71

lich gemacht, der Wassergraben durch Zerstörung einer Schleuse abgelassen,die Futtermauer von 53 durch 1000 Granatwürfe und 2 Minen ver-nichtet, ein Faschinendamm durch den Graben begonnen, und der Feindso zum Aufgeben des Werks bestimmt. Auf einem Nachen übersetzendeMannschaften fanden die Lünette verlassen. Nr. S2 war ein Erdwerk mit60 Schritt breitem Wassergraben vor sich. Der Bau eines Dammeshätte hier viel Zeit erfordert. Man schleppte daher aus Schiltigheim Bierfäfser heran und schlug damit am Abend des 21. September in ver-wegener Art eine Brücke. Auch hier wartete der Feind das Erstürmendes Walles durch den Angreifer nicht ab, sondern verschwand, und beideLünetten nahmen nunmehr Kanonen und Mörserbatterien zur Zerstörungder dahinterliegenden Werke auf. Bis zum 26. September waren dieMauern der Bastione 11 und 12 zusammengebrochen; es blieb nur nochder Wassergraben vor dem Steintor zu überschreiten, aber es kam nichtmehr dazu.Am 27. September nachmittags ö Uhr erschien die weißeFahne auf dem Turm des Münsters; das Feuer verstummte und dieSappeurarbeiten wurden eingestellt." Der Platz kapitulierte unter den Be-dingungen von Sedan. 500 Offiziere und 17 000 Mann fielen in Ge-fangenschaft; 1200 Geschützrohre, 200000 Handfeuerwaffen und beträcht-liche Kriegsvorräte nebst dem Barbestande der Staatsbank bildeten diereiche Kriegsbeute.

Beharrlich hatte bis dahin der wackere Kommandant Uhrich dem Schick-sal widerstanden. Jetzt aber nach 30tägiger Belagerung, da die Erstür-mung des Hauptwalles in jedem Augenblick zu erwarten stand, die durchden Verlust von 2500 Mann geschwächte Besatzung in ihrer Haltungkeine unbedingte Gewähr für die Abwehr gab und Entsatz nicht mehr zuerhoffen war, entschloß er sich die Tore zu öffnen. Straßburg , die alteReichsstadt, die vor nahezu 200 Jahren mitten im Frieden von Frank-reich geraubt worden war, wurde wieder deutsch. Sie hatte erheblich ge-litten, 10 000 Menschen waren ohne Obdach, an 2000 Einwohner totoder verwundet. Viele öffentliche Gebäude, das Museum, die Gemälde-sammlung, das Stadthaus und das Theater, leider auch die Bibliothekvon 200000 Bänden waren ein Raub der Flammen geworden.Derherrliche Münster zeigte an mehreren Stellen die Spur der Geschosse unddie Zitadelle glich einem Trümmerhaufen. Unter dem Schutt der West-front lagen die zerschossenen Geschütze begraben." Die Einbuße des Be-lagerungskorps hatte nur 39 Offiziere 894 Mann betragen.

Der Fall von Toul und Straßburg erleichterte die Lage der Deutschenwesentlich. Der Belagerungspark, der allerdings noch erheblich verstärkt