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werden mußte, wurde in der Folge für Paris verfügbar, die Eisenbahnwenigstens bis in die Nähe der Hauptstadt frei. Die Belagerungsarmeekonnte sich auflösen und anderen Kriegszwecken dienen. Die Gardeland-wehrdivision ging nach Paris ab, die 1. Reservedivision blieb zunächstals Besatzung und zur Bezwingung kleinerer Festungen zurück. Die ba-dische Division durch eine preußische Infanterie- und eine Kavalleriebri-gade verstärkt, bildeten fortan das 14. Armeekorps, mit dem sich General v. Werder gegen die obere Seine in Bewegung setzte.
Die Vorgänge auf dem westlichen Kriegsschauplatz bis Lnde
Oktober 1870
(Vergl. Skizze 50, S. 477)
Nach den ungünstigen Erfahrungen des 19. September verzichtete manin der französischen Hauptstadt auf weitere Ausfälle. Die Negierung be-schloß das Hauptgewicht des Widerstandes in die Provinz zu verlegen.Gambetta verließ im Ballon die Stadt, um nach Tours überzusiedeln, woer eine Regierungsdelegation bildete, die sich von nun ab für die ganzeDauer des Feldzuges in wirkungsvoller Art geltend machte. Thiers reisteinzwischen an den europäischen Höfen umher, um sie zu einem Einschreitenzugunsten Frankreichs zu bestimmen.
Die Divisionen des 13. Korps bezogen Lager auf der Südfront undin der Ebene von Vincennes . Das 14. stand hinter dem Seinebogenwestlich der Stadt bei Neuilly und Boulogne . Man wartete ab und be-mühte sich, die Truppen so gut als möglich an Mannszucht zu gewöhnen.Die Nordfront blieb den Mobilgarden anvertraut, im übrigen zog mansie soviel als möglich von der ersten Linie zurück. Kleine Ausfälle ausSt. Denis hatten wenig zu bedeuten. Dagegen gelang es den Franzosen ,auf der Südseite die Festsetzung des 6. preußischen Korps in Villejuif zuverhindern. Die südwestlich davon gelegene, im Bau begriffene Schanzevon Haute Bruyeres wurde sogar vollendet und mit schwerem Geschütz bestückt.
Die befestigte Einschließungslinie der Deutschen erstreckte sich von Chatonwestlich von Paris, an der Seine über Argenteuil und die Höhen vonMontmorency auf der Nordwestseite hinweg, dann am Moreebach auf derNordseite entlang zum Rande des Waldes von Bondy nnd von dortweiter zur Marne , wo sich die Sicherungsanlagen der Württemberger an-schlössen. Diese reichten auf der Ostseite von Noisy-le-Grand bis Or-messon. In dem Raum zwischen dort und Villeneuve-St. Georges rückteam 23. das 11. Korps ein, während sich das 1. bayrische bei Longjumau
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