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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Treffen bei Villepion

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Tatsächlich standen die Dinge für die Deutschen ernst genug. Die Armee-abteilung zählte nach den mancherlei Abgängen der letzten Tage sicherlichnicht mehr als 3536 000 Mann in der Front. Sie befand sich alsovor einer großen Übermacht des Feindes. Da das 15. französische Korpsmit Ausnahme einer gegen Pithiviers in Bewegung gesetzten Division,den Vormarsch auf der großen Pariser Straße angetreten hatte, warenam 2. Dezember mehr als 90000 Franzosen gegen sie verfügbar. PrinzFriedrich Karl vermochte an diesem Tage, infolge der Linksschiebung derII. Armee, zu ihrer Unterstützung nicht heranzukommen; sie blieb auf dieeigenen geringen Kräfte angewiesen. Ein vorläufiges Ausweichen konnteratsam erscheinen.

Dennoch entschloß sich der Großherzog, der in der Person des Generalsv. Stosch einen neuen Generalstabschef und Berater erhalten hatte, vor-zugehen, um Klarheit zu gewinnen und den Mißerfolg von gestern aus-zugleichen.

Die Schlacht von Loigny-Pouvry am 2. Dezember ^370(S. Skizze 58)

Die Franzosen setzten am 2. Dezember früh 8 Uhr die begonnene Rechts-schwenkung fort. General Chanzy ging mit dem 16. Korps gegen Lumeauund Loigny vor. Das 17. unter de Sonis folgte. Das 15. Korps,Martin des Pailleres, sollte ihn über Artenay zur Rechten begleiten.Das Ziel war zunächst die Linie AllainesToury. Die Bewegungenvollzogen sich langsam und schleppend. Die Truppen, des Krieges un-gewohnt, litten unter der plötzlich eingetretenen Kälte mehr als die Deutschen .

Ihnen entgegen kamen die Bayern bei Loigny , die 17. Division beiLumeau. Die 22. ging weiter östlich auf Baigneaux vor. Die starkeKavallerie sicherte die Flügel.

Der Zusammenstoß erfolgte mit einer in dieser Kriegsperiode nicht ge-wöhnlichen Heftigkeit. Die Franzosen trafen vor den Bayern bei Loigny ein. Ihre darüber hinausgehenden Truppen wurden jedoch sofort an-gegriffen und geworfen. Inzwischen entwickelte sich aber das ganze 16.französische Korps bei und westlich Loigny und drängte nun seinerseitsdie an Zahl weit schwächeren Bayern zurück, die sich dann aber unterdem Schutze ihrer Artillerie wieder festsetzten. Verstärkungen vom eigenenKorps kamen von rückwärts heran; die 4. Kavalleriedivision eilte vonrechts herbei und wendete sich gegen die linke Flanke der Franzosen .Die mit deren Deckung beauftragte Kavalleriedivision Michel wagte esnicht, den Reiterkampf aufzunehmen, sondern suchte den Schutz des von

Frhr. v. d. Goltz, Kriegsgeschichte II 33