General v. Manteuffel, der nunmehr über zwei volle Korps und die
3. Kavalleriedivision verfügte, entschloß sich zur Fortsetzung seines Marschesauf Rouen . Er hielt den am 27. November geschlagenen Feind mit Rechtzunächst für unfähig, ihm gefährlich zu werden, obwohl er ihm beim Weiter-marsche die Flanke und den Rücken bot. Nur die durch Kavallerie undArtillerie verstärkte 3. Brigade wurde der Vorsicht halber bei Amiens zu-rückgelassen.
In Rouen hatte sich die sogenannte Armee der Normandie unter Gene-ral Briand in der Stärke von 20 000 Mann gesammelt. Vom General-kommissar der Nationalverteidigung gedrängt, etwas zur Rettung vonParis zu tun, hatte sie bereits ein Lebenszeichen gegeben und eine nachEtrepagny vorgeschobene Abteilung der sächsischen Kavalleriedivision über-fallen.
Als nun Manteuffel in der Gegend von Gisors erschien, ging die Divisionmit ihm gemeinsam gegen Rouen vor. Briands linker Flügel wurde am
4. Dezember bei Buchy überraschend angegriffen und geworfen, seine Nach-hut von Manteuffels Husaren überritten und Briand zum Rückzüge ge-zwungen. Fürchtend, bei Rouen in eine „Mausefalle" zu geraten, räumteer auch diese wichtige Stadt, in die am 5. General v. Goeben mit starkenTeilen des 8. Korps einzog.
Von Rouen aus wurden noch Vernon an der Seine und Evreux be-setzt. Jubelnd begrüßten deutsche Reiter bei Dieppe das Meer. Die Ge-schütze der Strandbatterien wurden vernagelt.
So war auch hier im Norden und Nordwesten jede Gefahr für die Ein-schließung von Paris beseitigt. Wir wenden uns nunmehr zu dieser zurück.
Die Ausfallschlacht von Villiers-Chamvigny am 20. November und
2. Dezember ^370
(S. Skizze 62)
Am 14. November war die Nachricht vom Ausfalle des Treffens vonCoulmiers in der Hauptstadt bekannt geworden. Paris hielt seine Be-freiung für nahe bevorstehend. Es verfügte jetzt über ansehnliche Streit-kräfte. Die I. Armee, General Thomas, 130 000 Nationalgarden, hieltdie Umwallung besetzt und sollte für Ruhe in der Stadt sorgen. Die II.unter Ducrot, reichlich 100000 Mann mit über 300 Geschützen, hatte diebesten Truppen, zumal die des bisherigen 13. und 14. Korps in sich auf-genommen. Sie bildete jetzt 3 Korps, 1 Kavalleriedivision, und sollte die