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VIII. Der Krieg von 1370/71
großen Ausfälle unternehmen, um später im freien Felde aufzutreten.Die III., Viuoy zählte 6 Mobilgarden, 1 Linien- und 1 Kavalleriedivi-sion, 70 000 Mann. Sie sollte die II. durch Scheinangriffe auf den fürden Durchbruch nicht ausersehenen Fronten unterstützen. 80000 Mobil-garden standen in den Forts und ein besonderes Korps von 36 000 Mannunter Admiral de la Ronciere in St. Denis.
Es schien, als sei solchen Truppenmassen gegenüber die fortdauerndeAufrechterhaltung der Einschließung unmöglich, zumal da man annahm,daß der Tag von Coulmiers starke Kräfte der Belagerer nach Süden ab-berufen habe. Mit sicheren Hoffnungen sah man dem oft angekündigtengroßen Ausfall entgegen. Ducrot besaß das Vertrauen der Menge. Am18. November erfolgte auch schon von Tours aus der Ruf, der Loire-armee die Hand zu reichen, die nunmehr vorgehen werde. Ducrot ver-sammelte seine Armee am 28. — dem Tage der Schlacht von Beaune-la-Nolande — um Vincennes. Der Brückenschlag über die Marne zwischenJoinville und Nogent aber verspätete sich; der Angriff der deutschen Linienwurde auf den 30. verschoben. Den unterstützenden Nachbarabteilungenwurde anheimgegeben, zur Täuschung des Gegners sogleich vorzugehen.Die Liniendivision der III. Armee unternahm daher schon am 29. einenAusfall gegen l'Hay und Choisy-le-Roi , der sie 1300 Mann kostete unddoch nicht ernst genug war, um die Deutschen irrezuführen.
Diese hatten in letzter Zeit, zufolge der Bedrohung von Süden her,einige Veränderungen in ihrer Aufstellung vorgenommen. Das 2. Korpswar hinter die Südfront gestellt worden, wo die Avette eine Verteidigungs-linie nach außen hin abgeben konnte. Dafür hatte sich im Norden dasGardekorps bis nahe an den Ourcqkanal nach links ausgedehnt, die Sachseneine Brigade auf das südliche Ufer der Marne hinübergeschoben, und diewürttembergische Division den vom 2. Korps verlassenen Raum zwischenMarne und Seine besetzt. So kam es, daß Ducrots Stoß die Württem-berger traf; denn dort lag der Weg nach Fontainebleau , dem Begegnungs-punkte der beiden einander zustrebenden französischen Heere. Die württem-bergische Division war der Maasarmee zugeteilt worden und sollte zu-nächst durch die Sachsen unterstützt werden. Da sich diese am 30. No-vember aber durch bedeutende französische Truppenansammlungen am MontAvron selbst bedroht sahen, so wurde ihr an diesem Tage, als ihr linkerFlügel zwischen Marne und Seine angegriffen wurde, nur vom rechtenFlügel des 2. Korps, der bis Villeneuve reichte, Hilfe zuteil. Anfangszurückgedrängt, gelang es ihnen, die Franzosen aufzuhalten, das verloreneMont Mesly wiederzuerobern und dann den Ausfall ganz abzuweisen. Unter