Gegenangriff der Deutschen
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fähigkeit und Ausdauer fehlen, um erste Erfolge auszunutzen und denSieg, unbeirrt durch die Wechselfälle der Schlacht, gewaltsam an sich zureißen, machte sich auch hier fühlbar. Der Zustand seiner Truppen hatteDucrot bedenklich gemacht. Er fürchtete bei Erneuerung des Angriffs zuscheitern, gegen die Marne geworfen und in eine Katastrophe verwickeltzu werden.
Die Deutschen durchschauten schnell die wahre Lage der Ausfallarmee.Als der Tag ohne jede ernste Anstrengung derselben verflossen war, schrittensie ihrerseits zum Gegenangriff.
Am 2. Dezember früh gingen die Sachsen aufs südliche Marneufer überund drangen im ersten Anlauf in Brie ein. Erbitterter Häuserkampf folgte,in den sich die schweren Geschütze der Forts zugunsten der Verteidigermischten. Die Verluste wurden groß; die Eingedrungenen behauptetensich trotzdem.
Ebenso verfuhren die Württemberger bei Champigny . Auch hier folgteein heißer hin und her wogender Kampf, in den herbeigeeilte Truppenvom 2. Korps bald lebhaft eingriffen.
General Ducrot, der klar darüber wurde, daß die Deutschen ihm inden am 30. eroberten Stellungen doch keine Ruhe lassen würden, ent-schloß sich, wie er es als tüchtiger Soldat mußte, selbst wieder zum Angriffvorzugehen. Seit 9 Uhr war die große Artillerielinie, die er in seiner Frontgebildet hatte, in Tätigkeit. Er zog die letzten Divisionen vom rechtenauf das linke Marneufer hinüber und eroberte Brie-sur-Marne im Sturmezurück. Gegen 2 Uhr nachmittags fuhr dann starke Artillerie gegen Villiersauf. Aber preußische Batterien erschienen gewandt und schnell in ihrerrechten Flanke und zwangen sie zum Abfahren. Ein um 3 Uhr erfolgen-der Jnfanterieangriff konnte daher mit leichter Mühe zurückgewiesen wer-den. Um S Uhr erstarb der Kampf; nur die Artillerie setzte ihn bis indie Finsternis hinein fort.
In Champigny , am Kirchhof und im Petit Bois de la Lande hattensich die Deutschen seit 2 Uhr nachmittags gegen alle Anstrengungen derFranzosen behauptet, die immer erneut mit frisch ankommenden Kräftensie zu werfen suchten, ohne auch nur eine Hand breit Boden zu gewinnen.
Auch der Oberbefehlshaber aller Pariser Streitkräfte, General Trochuwar auf dem Schlachtfelde erschienen; auch er aber konnte dem Schicksaldes Tages keine entscheidende Wendung zugunsten der Ausfallarmee geben.
Die Dunkelheit machte dem Kampfe wiederum ein Ende, ohne daß eineEntscheidung gefallen war.
Ducrot hatte während der Schlacht am 2. Dezember die Nachricht er-
Frhr. v. d. Galt), Kriegsgeschichte II 34