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VIII. Der Krieg von 1370/71
halten, daß die Loirearmee auf Fontainebleau marschiere. Er wollte sichdaher wenigstens am linken Marneufer behaupten. Lebensmittel wurdenherangeschafft, Munition und Artilleriebespannungen ergänzt, alles fürFortsetzung des Kampfes vorbereitet.
Am 3. Dezember erfolgte auch ein nochmaliger Versuch gegen Brie-sur-Marne und Champigny , der aber das Gepräge der Ermattung deutlichverriet und leicht abgewiesen wurde.
Die Pariser Truppen waren jetzt völlig erschöpft. Sie hatten ohneZelte und Feuer lagern müssen, litten stark unter der Plötzlich eingetretenenKälte und wurden entmutigt durch die großen Verluste, die sich auf min-destens 12 000 Mann beliefen. Viele hervorragende und im Heere be-kannte Offiziere waren gefallen — die Hilfe von außen aber kam nicht!Ducrot entschloß sich schweren Herzens zum Rückzüge, den er auch nochum Mitternacht zum 4. Dezember einleitete.
So endete der größte und energischste Durchbruchsversuch, den die Streit-kräfte von Paris überhaupt gewagt haben. Er war gegen die augenblick-lich schwächste Stelle der Einschließungslinie gerichtet gewesen und hattedennoch keinen Erfolg gehabt. Damit begann die Hoffnung zu schwinden.
Die Deutschen nahmen ihre alten Stellungen wieder ein; ihre Verlustehatten 245 Offiziere 4987 Mann betragen. Mit verdoppeltem Vertrauendurften sie nunmehr dem erfolgreichreichen Ausgange der mühevollenEinschließung entgegensehen.
Die Vorgänge auf dem östlichen und südöstlichen Teil desUriegsschauvlahes, im November 1(870
(Vgl. Skizzen 36, S. 390 und 54, S. 499)
In aller Kürze ist darzustellen, wie sich die Dinge bei General v. Werder und hinter den Feldarmeen der Deutschen gestaltet hatten.
Gegen Ende November begannen die Franzosen auch im Burgundischengrößere Tätigkeit zu entfalten. Am 24. rückte die sogenannte Vogesen -armee unter Garibaldi von Autun gegen Dijon vor und mit ihr gleich-zeitig die 10000 Mann starke, neu auftauchende Division Cremer, dievon Süden her Gevrey erreichte. Werder zog Verstärkungen von rück-wärts heran und ein Angriff auf Dijon unterblieb. Eine gegen Autun vorgehende badische Brigade wollte am 1. Dezember eben die Stadt an-greifen, als sie zurückgerufen wurde. Die sich mehrenden Beunruhigungender rückwärtigen Verbindungen machten neue Entsendungen nötig. Am19. November war die Besatzung von ClMillon-sur-Seine, ein Landwehr-