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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Hin und her wogender Kampf bei Beaugency

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Vision, die von Messas gegen die rechte Flanke der Angreifer zur Unter-stützung der Bayern herbeieilte, ward aber auch diese Gefahr abgewehrt.Nachmittags 3 Uhr hatte die Division einen letzten heftigen Kampf gegenan Zahl weit überlegene Kräfte des 16. und 17. französischen Korps zubestehen.Der mit Hurra vorstürmenden Infanterie gelang es jedoch,den Gegner zurückzuwerfen und trotz heftigen Feuers sich gegen ihn zubehaupten." Als noch die Bayern eingriffen, endete auch dieser Tag miteinem Rückzüge der Franzosen auf Josnes.

Beaugency war durch schwache deutsche Kräfte besetzt geblieben. Jen-seits der Loire ging das 9. Korps weiter vor. Chanzy hatte ihm dieDivision Maurandy vom 16. Korps entgegengesandt. Es stieß daher beiMontlivault und Schloß Chambord auf den Feind. Eine schwache hessischeAbteilung unter Hauptmann Kattrein überfiel dieses in der Dunkelheit,jagte die, von einer Panik ergriffene französische Brigade, die mit ihmzugleich eintraf, in die Flucht, erbeutete ö Geschütze und 12 Munitions-karren, nahm das feste Schloß und mit ihm SSO Gefangene eine dermerkwürdigsten Waffentaten der neuen Kriegsgeschichte. Maurandy gingnach Blois und von dort aus auf das rechte Stromufer zurück.

Der 9. Dezember hatte eine wichtige Änderung der gesamten Lage herbei-geführt. Auf einen unmittelbar nach Versailles gerichteten Hilferuf desGroßherzogs hatte Prinz Friedrich Karl um 10 Uhr vormittags den tele-graphischen Befehl erhalten, ihn, außer durch den Vormarsch des 9. Korpsam linken Loireufer noch durch mindestens eine Division am rechten direktzu unterstützen. Dem Prinzen wurde zu gleicher Zeit die Gesamtleitungder Operationen an der Loire aufgetragen. Seinem Grundsatze getreu,stets mit versammelten Kräften zur Entscheidung zu schreiten, beschloß er,den Zug gegen Bourbaki sür jetzt aufzugeben, Orleans besetzt zu halten,sich mit allen übrigen Kräften aber überhaupt gegen Chanzy zu wenden,ihn auf beiden Flügeln zu umfassen und entscheidend zu schlagen, wenner länger stand hielt. Das 10. Korps bekam sogleich Befehl, nach Meungzu rücken. Es konnte den Ort auch noch mit der Spitze seiner Infanterieerreichen, aber nicht mehr in den Kampf eingreifen, das 9. versuchte diesmit seiner Artillerie über die Loire hinweg. Das 3. Korps wurde vonGien nach Orleans herangerufen. Auch die verstärkte 1. Kavalleriedivisionfolgte der Bewegung. Die ganze II. Armee hatte damit das Gesicht genWesten gewendet.

General Chanzy, noch ohne Kenntnis von dieser Änderung bei seinenGegnern, griff am 10. Dezember im Morgendunkel die von denBayern und der 22. Division besetzten Dörfer heftig und zum Teil mit