Chanzys Rückzug nach Le Mans
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Armee Le Mans zu, wo sie Ruhe, Erholung, Schutz gegen Unbilden derJahreszeit und Stillung des Hungers erhoffte. Nur der linke Flügel beiFreteval, der die Befehle zu spät erhielt, harrte noch aus, griff sogar nocheinmal an, folgte dann am Abend aber dem allgemeinen Rückzüge.
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Der 17. Dezember vervollständigte die Anordnungen aus dem GroßenHauptquartier von Versailles. Ein Drittel Frankreichs war in deutscherHand, die erste gewaltige Anstrengung der Provinzen zur Befreiung derHauptstadt vereitelt. Nun galt es, das Gewonnene zunächst festzuhalten,die Kräfte nicht zu zersplittern, den Truppen die unbedingt nötige Ruhezu gewähren, ihren Bestand und ihre Ausrüstung zu ergänzen. Es er-ging der Befehl, daß die I. Armee sich bei Beauvais , die Armeeabteilungdes Großherzogs bei Chartres, die II. Armee bei Orleans ausstelle,den Feind, wenn er zu neuen Unternehmungen schritte, auf kürzeste Ent-fernung heranlasse, ihn dann aber durch kräftigen Angriff zurückweise.
Für Prinz Friedrich Karl kam noch ein Grund hinzu, die Rückkehr zubeschleunigen. Gerade im entscheidenden Augenblicke vor Vendome wardie Nachricht eingetroffen, daß tags zuvor — am 15. — die schwachebayerische Besatzung aus Gien verdrängt worden und nach Ouzouer-sur-Loirezurückgegangen sei. Das konnte der Beginn von Bourbakis Vormarschsein. Sogleich erhielt das bei la Chapelle Vendümoise versammelte 9. Korpsden Befehl zum Rückmarsch nach dem gefährdet erscheinenden, 11 deutscheMeilen entfernten Orleans. Trotz den aufgeweichten Wegen traf es da-selbst mit den vordersten Truppen schon am nächsten Mittag ein — eineMarschleistung, die ihresgleichen nur wenige gefunden hat. Die hessischeKavalleriebrigade unter General v. Rantzau rückte nach Montargis ab undvon dort später aus Briare vor, wo sie auf bedeutende feindliche Kräftestieß und nach Gien zurück mußte. Das 3. Korps folgte über Blois dem 9.,das 10. blieb am Loirflusse zurück, um Chanzy zu überwachen.
Das drohende Ungewitter hatte sich indes wieder verzogen. Nicht Bour-baki mit seinem Heere, sondern ein vereinzeltes französisches Streifkorpswar bei Gien erschienen und trotz seinem Erfolge nach Briare zurückge-wichen, wo es sich zur eigenen Sicherheit verschanzte. Ruhequartierekonnten eingenommen werden, aus denen die Bayern bald nach Etampes zurückbefördert wurden, um Vereinigung und Wiederherstellung des Korpszu bewirken.
Der Großherzog verblieb noch einige Tage am Loir , beunruhigte inGemeinschaft mit der von Chartres herangekommenen 5. Kavalleriedivision