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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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540 VIII. Der Krieg von 1370/71

Moltke hatte mit der ihm eigenen genialen Anpassungsfähigkeit, bei derer doch nie das große Ziel aus dem Auge verlor, des Prinzen Gedankenzu den seinen gemacht und stimmte ihnen bei. Er schrieb an GeneralStichle, daß nunmehr Chanzy durch andauernde Verfolgung, die abernicht über Tours hinausgehen solle, für längere Zeit außer Tätigkeit zubringen wäre. Dann habe ihn der Großherzog von Chartres aus PrinzFriedrich Karl dagegen Bourbaki von Orleans aus zu überwachen. Generalv. Zastrow sollte mit dem ganzen 7. Korps bei ClMillon-sur-Seine er-scheinen. Hierauf dürfe Weiteres unternommen aber nicht über Bourges und Revers vorgegangen werden.

Die ganze II. Armee blieb also im Vormarsch nach Westen. DemFrost war wieder Tauwetter gefolgt und hatte die Felder unbetretbar, diemeisten Wege unergründlich gemacht. Schleppend vollzogen sich die Märsche;Mann und Roß litten schwer; die Bekleidung, zumal das Schuhwerk, gingenvöllig zugrunde.

Der Großherzog hatte am 11. Dezember früh noch auf einen Angriffgewartet, um Mittag aber den Rückzug des Gegners erkannt und sich inBewegung gesetzt. Links neben seiner Armeeabteilung ging das 10. Korpsvor, rechts um den Wald von Marchenoir herumgreifend, die 4. Kavallerie-division. Das 3. Korps eilte in Gewaltmärschen nach; denn Prinz Fried-rich Karl wollte erst angreifen, wenn er alle Kräfte beisammen hatte.

Am 14. Dezember traf die 17. Division bei Moree und Freteval wiederauf den Feind, nämlich das 21. französische Korps, das Chanzys linkenFlügel bildete. Dessen Stellung zog sich von dort nach Vendüme hinab,dann hinüber aufs linke Loirufer, wo die Höhen vor der Stadt starkbesetzt waren, bis St. Amand und Montoire. Chanzy wollte den Kampfhier wieder aufnehmen, aber seine Generale erklärten jeden Widerstandfür unmöglich. Völlige Auflösung hatte sich in der Armee verbreitet, alleStraßen waren von Nachzüglern bedeckt. Die 22. preußische Divisiongriff deren allein am 12. Dezember an 2200 auf. Fuhrwerk und Heer-gerät blieben vielfach zurück.

So kam es am 14. bei Freteval, am IS. vor Vendöme, wo das10. Korps sowie die Spitze des 3. eintraf, zu zusammenhanglosen Ge-fechten, nicht zu der vom Prinzen gewünschten allgemeinen Schlacht. Essehlte für diese auch noch das 9. Korps, das bei Blois erst die zerstörteLoirebrücke wiederherstellen und herankommen mußte, was am 16. Dezem-ber erfolgte. Nicht vor dem 17. konnte der gemeinschaftliche Angriff allerStreitkräfte beginnen. Vorher aber hatte Chanzy am 16. bereits denRückzug fortgesetzt. Einer gewaltigen Herde vergleichbar strömte seine