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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Änderung der Kampfweise

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Geradezu eine Kalamität für die deutschen Truppen wurde die große Zahlder Gefangenen. Sie erforderte die Stellung von Begleitmannschaften,deren Menge die der Gefechtsverluste überstieg. Den Franzosen wurdees leichter, den Ausfall zu ersetzen, als es den Teutschen war, die zurück-gesandten Abteilungen wieder in die Front zu ziehen. Auch an Munitionbegann es zu mangeln. Etwas von Ermattungsstrategie fing an fühlbarzu werden.

Übrigens hatte auch die Artillerie stark gelitten. Zahlreiche Kanonen-rohre waren vom fortwährenden Feuer so ausgeschossen, daß sie unbrauchbarwurden. Zwei Batterien der 22. Division mußten ganz ausgewechselt werden.

Das am härtesten mitgenommene bayerische Korps, dessen Infanterienur noch 7000 Mann in Reih und Glied zählte, zog Prinz FriedrichKarl nach Orleans zurück, wo es sich wiederherstellen sollte. Nur eineschwache Brigade blieb vorläufig noch beim Großherzoge.

Die Verluste in der Schlacht waren nicht so groß gewesen, wie es derungeheure Gefechtslärm hatte vermuten lassen. Er betrug auf deutscherSeite 154 Offiziere, 3237 Mann, war auf französischer jedenfalls weitbedeutender, ist aber nicht genau bekannt geworden. Er soll 7000 Mannerreicht haben. 6 Geschütze fielen in deutsche Hand.

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Des Prinzen Entschluß hatte die Lage verändert. Nicht beide Loire-armeen wurden gleichzeitig zum Ziel der Operationen genommen, sondernzunächst mit allen Kräften nur die stärkere und gefährlichere. Sie hattein Chanzy auch den tatkräftigsten Führer an ihrer Spitze, von dem amehesten anzunehmen war, daß er fähig sei, dem Kriege eine den Deutschenungünstige Wendung zu geben. Er gehörte zu den Naturen, die mit denSchwierigkeiten wachsen. Im Beginn des Krieges als Brigadegeneral zuseinem Schmerz in Algier zurückgelassen, war er dem Schicksal der meistenkaiserlichen Generale d. h. der Gefangenschaft entgangen und ge-wann die Gelegenheit, den Wert seiner Persönlichkeit geltend zu machen.Auf Mac Mahons Empfehlung wurde er von Gambetta an die Spitzedes 16. Korps berufen. Erst 47 Jahre alt, zäh und energisch, von festemVertrauen auf den endlichen Sieg Frankreichs erfüllt, war er der richtigeMann, um die jungen Truppen der Republik zusammenzuhalten und siewenigstens einigermaßen nutzbar zu machen. Das Unglück entmutigte ihnnicht:II selllklait i^norsr 1s rsvers cks la, veille et rie cro^ait pasau äesastre äu lenäsrQain«. Paris zu befreien, blieb auch während desRückzuges fein letztes Ziel.