544 VIII- Der Krieg von 1870/71
hatten die große Überlegenheit des Gegners erkannt, wollten Verstärkungenabwarten und bedrohten nur mit ihrer Reserve bei Corbie den linkenfranzösischen Flügel.
Obwohl die Feuerüberlegenheit noch auf Seiten Faidherbes gebliebenwar, entschloß er sich um 2 Uhr nachmittags doch zum Rückzüge. Seinejungen Truppen hatten in der strengen Winternacht zu sehr gelitten; erwollte sie wieder unter den Schutz der Festungen führen und marschierteunbehelligt ab.
Als am 25. das 8. Korps und die Kavallerie über Albert bis vorCambrai und Arras folgten, griffen sie nur noch einige Hundert Nach-zügler auf. Während der Schlacht waren 1000 Gefangene gemacht wor-den. Sie hatte die Franzosen außerdem an 1150 Mann gekostet, dieDeutschen 45 Offiziere 881 Mann.
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General v. Manteuffel eilte nach Beseitigung der neuen Gefahr nachRouen zurück, wo die auf beiden Seineufern näher an die Stadt heran-gerückten Franzosen von neuem zurückgescheucht wurden.
Dann gliederte sich die I. Armee derart, daß die bei Metz freigewordene3. Reservedivision, die als Verstärkung eintraf, die Belagerung von Peronne übernahm, das den Franzosen noch immer einen gesicherten Sommeüber-gang bot, während das 8. Korps sie unterstützte, zugleich aber aus seinenTruppen einen weiten Bogen von Amiens bis über Bapaume hinausbildete, um die Belagerung nach außen hin zu schützen.
Das 1. Korps konnte sich ganz bei Rouen sammeln.
Inzwischen waren Montmedy und Mezieres gefallen. Vor Montmedy war die 14. Division, von Diedenhofen kommend, am 5. Dezember er-schienen. Am 12. eröffneten 42 schwere und 20 Feldgeschütze ihr Feuergegen die Festung. Am 14. öffnete sie ihre Tore. Die 14. Division zogein, nahm 2700 Mann gefangen und erbeutete 65 Geschütze. Am 19.traf sie vor Mezieres ein. Am 25. Dezember war die Einschließung voll-ständig, am 31. die Feuereröffnung aus 68 Belagerungs- und 8 Feldgeschützenmöglich; am 1. Januar 1871 erfolgte die Kapitulation. Die Besatzungging in Gefangenschaft, 132 Geschütze und bedeutende Vorräte fielen denBelagerern in die Hände. Der Hauptvorteil aber bestand in der Möglich-keit, eine neue Eisenbahnlinie bis vor Paris fahrbach zu machen.