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1800 bis 1830: Sieg der Hegelschen Rechtsphilosophie.
stille Arbeit der wissenschaftlichen Bildung und der Weisheit undGerechtigkeitsliebe der Fürsteu" nicht eben freiheitlich auSklingt.Wenn aber sv im einzelnen die Hegclsche Rechtsphilosophie dochrecht weit hinausgeht über das empirische Preußen, so bleibt sie aneinem Punkte auffallend dahinter zurück — iu der Konstruktioneines besoudercu „Standes der Tapferkeit", dessen „Notwendigkeit"er zu deduzieren sich abmüht; und doch hatte er in dem preußischenHeer zu jeuer Zeit bereits „daS Volk iu Wasfeu" vor sich undhatte die Zeit erlebt, da auch nach ihm die Pflicht „alle Bürgereines Staates zn seiner Verteidigung ausruft". Hier ist also einPunkt, wo er Wirkliches und VeruüuftigeS nicht erkannt hat, ob-wohl es da war, hier auch zugleich eiu Beispiel seiner „gewaltsam"konstruierenden Methode, wenn er sagt: „das Prinzip der modernenWelt, der Gedanke und das Allgemeine, habe das Feuergewehr er-snndcn, und uicht eiue zufällige Erfindung dieser Wafse habe diebloß persönliche Gestalt der Tapferkeit in die abstraktere verwandelt".
Es liegen eben bei Hegel wie in jeder realistischen Staats-auffassung zweierlei Momente, das der Autorität nnd das der Freiheit,des Ganzen nnd des Einzelnen; die beiden miteinander zu vereinigenwar seine Aufgabe und sein Ziel, nnd die Frage ist nur, wieweitsie vou ihm auch wirklich ausgeglichen nnd in eins gesetzt wordensind. Daß ihm die Vereinigung dieser einander entgegenstrebendenElemente nicht durchweg gelungen ist — wo ist sie übrigens ge-lungen, iu der Theorie uud iu der Praxis? —, das zeigt schonäußerlich das Auseinanderfallen seiner Schule in zwei Richtungen,eine konservativ-reaktionäre nnd eine radikal-revolutionäre, wovonim nächste« Zeitabschnitt von anderem Ausgangspunkt her aus-führlicher die Rede sein wird, die Partei deS Wirklichen und Histo-rischen ans der einen, des Vernünftigen nnd Philosophischen aufder anderen Seite könnte man sie auch nennen. Einstweilen abertrug die Rechtsphilosophie ihrem Verfasser in den zwanziger Jahrendie Ehre ein, als der Preußische — seiue Gegner spotteten: derköniglich preußische StnatSPhilosoph angesehen zu werden. Zuseinen Füßen saßen in Berlin neben den Studenten auch die höch-sten Staatsbeamten uud Offiziere, und für Anstellung namentlichans Universitäten war es unter Alteusteiu und seiuem vortragenden