Die innere Mission.
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standenes Wort: „waS der Mensch ißt, das ist er" war weit mehrsocialistisch als materialistisch gemeint und antecipierte die sociologischeLehre vom Milieu und von der socialen Not als dem Nährbodendes Verbrechens und der Jmmoralität. Im Zusammenhang mit demSocialismus werdcu wir daher Feuerbach uoch einmal begegnen.
Wie stark Feuerbach auf Gottfried Keller gewirkt hat, istbekannt. Dessen „grüner Heinrich " und die Art, wie der Dichterhier zwei Anhänger des Philosophen, den von aller Proselyteu-macherei vornehm sich fern haltenden Grafen Dietrich und !PeterGilgus, den plebejischen Apostel des Atheismus, einander gegen-überstellt, mag uns zeigen, daß es doch vor allem die religiöseFrage und die entschlossene Parteinalune für den Atheismus war,die damals viele für Feuerbach interessierte nnd an ihm imponierte.Treffend ist das Wort Kellers von „den in der Verbreitung be-griffenen Werken des lebenden Philosophen, der nur diese letztenFragen in seiner klassisch monotonen aber leidenschaftlichen Sprache,dem allgemeinen Verständnis zugänglich, um uud um wendete undgleich einem Zaubervogel, der in einsamem Bnsche sitzt, den Gottaus der Brnst von Tausenden hinweg sang." Indem sich aberseine religiöse Geistesfreiheit mit einem politischen Radikalismusverband, erinnert Feuerbachs Stellung im Geistesleben der vierzigerJahre weit mehr als die von Stranß an die Encyklopädisten vordem Ausbruch der französischen Revolution.
Die innere Mission.
Auch bei der Abwehr des Straußscheu Augriffs auf die neu-testamentliche Gruudlage des alteu Glaubens treffen wir auf jenesHerankomme» und Anwachsen einer positiv religiösen Stimmungund Strömung, die uns schon vorher, seit dem Anfang des Jahr-hunderts und vollends seit den Befreiungskriegen deutlich spürbarentgegengetreten ist. Doch soll hier nicht noch einmal von Schleier-macher nnd den Romantikern, von Ernst Moritz Arndt und derchristgermanischen Burscheuschaft, auch nicht von Hengstenberg undseiner evangelischen Kirchenzeitung die Rede sein. Sondern ichmeine vielmehr die Bewegung „der Stillen im Lande", die von„Laien" mehr als von Geistlichen getragen, eben darum zuuächft