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doch alle malen und fühlten sich „nie deutscher" als in Rom ; nndwas Ludwig Richter oder Moriz vouSchwiud gemalt haben, das warauch in der That specifisch deutsch. Zunächst aber zeigte die Schulein den Freskobitdern der Cafa Bartholdy und der Villa Massimiihr auch auf Großes uud Monumentales gerichtetes Streben undKönnen, freilich gleich daneben auch die Grenzen dieses Könnens.Der größte von ihnen war Cornelius, eine weit machtvollere Persön-lichkeit als die Overbeck und Veit, die Schnorr von Carolsfeld undRichter, weshalb er anch rasch über sie alle hinaus und von ihnenmegwuchs.
In diesen Kreis war 1818 der bayrische Kronvrinz Ludwigbei seinem längeren Aufenthalt in Rom getreten, und schnell sichbegeisternd hatte er Cornelius als den bedeutendsten von ihnen, als„den Hanptmaun der Schar" zu bleibendein Aufenthalt nachMünchen eingeladen. Und nun wurde durch diesen fürstlichenMncen, der im Jahre 1825 den bayrischen Königsthron bestieg,und durch die Schar der Männer, die sich dort um Corneliussammelten uud uuter uud nebeu ihm schafften, die Schnorr vonCarolsfeld nnd Moriz von Schwind, die Rottmaun uud Genelliund wie sie alle hießen, München zu der Kunststadt, als die wirsie heute alle kennen nnd lieben, srcilich in gewissem Sinn dochein Kunstprodukt auf einem diesen Bestrebungen nicht durchweggünstige» Boden.
Damit hatte Bayern Prenßen überflügelt und war ihm zuvor-gekommen. Nun aber hatte an Stelle des sparsamen, von jederKnnstbegeisterung freien Königs Friedrich Wilhelms III., der deshalbdoch seinen Schinkel nnd Ranch gehabt hatte, Friedrich Wilhelm IV. den Thron bestiegen, nnd alsbald beschloß er, der Luxus uud Kunstliebte, das Versäumte nachzuholen und den Vorsprung Münchens einzubringen. Aber anch damit kam er wieder zu spät. In demAugenblick nämlich war in München die romantische und zugleichstreng idealistische Kunst, wie sie namentlich Cornelius vertrat, in derMalerei bereits wieder im Begriff zn veralten uud schickte sich an derrealistischeren Schule der Historienmaler wie Piloty Platz zu machen;und von Frankreich nnd Belgien herüber drangen noch vorher vielrealistischere Einflüsse, die es namentlich den Jüngeren authaten und
Zicgler, die geistigem n, socialen Strömungen des l!>. Jahrh. 16