Die Wissenschaft.
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zu setzen gewußt hätte: der letzte Vortrag mit den positiven Vor-schlägen blieb ungehalten! Und ebenso hat Lagarde in den sieb-ziger Jahren wiederholt daraus hingewiesen. Denkt man sich aberden Kampf um die Schulreform eingerahmt von jenen VorträgenNietzsches vom Jahre 1872 und dem 1893 in 43. Auflage er-schieueueu thörichten Buche Langbehns „Rcmbrandt als Erzieher", aufdas sich das deutsche Publikum wie von der Tarantel gestochen in wilderBegeisterung stürzte, so sehen wir, wie zwar diese Bildungsfrage hinterallen jenen Schnlreformfragen verborgen und wirksam war, wie abergerade über sie fortschreitende Klarheit und Klärung nicht erzieltmorden ist. Denn was dieses geistreich sein sollende Geschwätzwollte, das schließlich auch iu den Rns nach Individualismus undAristokratismus ausklaug, wußten weder der Verfasser uoch dieLeser desselben mit Bestimmtheit zu sagen.
Nietzsches Kritik unserer Bildungsanstalten hatte neben derSchule vor allem auch der Universität gegolten. Ebenso sagteLagarde seiuen Hochschulkollegen recht viel Böses nach und der„Rembrandtdcntsche" erklärte geradezu: „der Professor ist die deutscheNationalkrankheit". Das letztere war jedenfalls ein Anachronismus;denu fraglos hatte sich schon längere Zeit zuvor die öffentlicheMeinung von den Universitäten ab, zum Teil geradezu gegen siegewendet. Das nationale Leben mit seiner stärkeren Betonungder materiellen Interessen des Handels und der Technik hatte auchandere Bilduugswege uud Bildungsweisen kennen gelernt, und ausder andern Seite folgten die Gelehrten diesem Leben nicht raschgenug und entfremdeten sich ihm daher immer mehr. Dazu kam dasÜberwuchern eines gelehrten Specialistentums, das sich in Einzel-heiten verlor und die Bedeutung derselben für das Ganze selbstverkannte und unterschätzte; sür diese Tetailarbeit aber kann derLaie kein Verständnis haben, wenn ihm ihre Beziehung ans dengroßen Zweck nirgends mehr zum Bewußtsein gebracht wird.
Die Wissenschaft.
Aber neben solchen Differenzpunkten zwischen Theorie uudLeben waren doch auch Verührnngspunkte da, und gerade wissen-schaftliche Großthaten sind kaum jemals mehr gefeiert worden als