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Die geistigen und socialen Strömungen des neunzehnten Jahrhunderts / von Theobald Ziegler
Entstehung
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Die Musik.

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noch heuchelnder Sitte

hartes Gesetz:selig in Lust und Leidläßt die Liebe nur sein!

An die Stelle des Sieges aber tritt mehr und mehr der Gedankeder Erlösung, der dann imParsifal " eine durchaus christlicheWendung nimmt. Es ist auch hier nichts neues, die inTristanund Isolde " eingeschlagene Richtung wird nur konsequent fortgesetzt:der reine Thor überwindet die sinnliche Liebe, die doch nur dasDasein verlängert, und wird durch Mitleid wissend zum Erlöser imchristlichen Sinne des Wortes, durch Taufe, Fußwaschung undAbendmahl wird das veranschaulicht. Wirklich ist Wagner hiervor dem christlichen Kreuze niedergesunken"; aber weder fehlt esan den alten schopenhauerschen und buddhistischen Elementen nochwird das Christliche in seiner historisch-sinnlichen Auffassung hin-genommen, sondern alles wird mystisch vertieft und vergeistigt.Erst der Parsifal ist das echteBühnenweihfestspiel".

So steckt in Wagner ein Revolutionäres und ein Romantischeszugleich, ein Widerspruchsvolles also und ein Dissonantes. Revo-lutionär ist seine Kunst gegen alles bisher Bestehende und Geltende,sie bedeutet den Bruch mit dem alten Opernstil, den auch BeethovensFidelio noch nicht vollzogen hatte. Romantisch aber ist er wie indem der Musik so besonders gemäßen Wogen und Weben unbe-stimmter Tonmassen mit mächtigster Gefühlswirkung fo vor allemdnrch die mit vollem Bewußtsein erstrebte Vereinigung aller Künstezu einer Allkunst und die von ihm proklamierte Vermählung dieserseiner Kunst mit Philosophie und Religion: in dem Ocean seinesMusikdramas sollte das alles zusammenfließen, wie es einst derRomantiker Schelling geahnt und gefordert hatte. Und der Romantikentstammt anch das specifisch-germanische seiner Kunst: es stellt sichdar als Gegensatz gegen das Judentum in der Musik Wagnerwar überzeugter Antisemit, dann aber positiv sowohl im Stoffnirgends vielleicht reiner und erfreulicher als in denMeistersingern "und in der Gestalt von Hans Sachs als in der Form, diefreilich weder in der Handhabung des wieder zu Ehren gebrachtenStabreims noch in der Wahl des Ausdrucks und Wortes einwand-