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Nach 1871- „I'iri 6s ^cle".
Gedanken, der in Sommernächten zu den Sternen emporschaut uudeinen Meuschen um sich haben möchte. Ihm gegenüber steht derRektor, mit dem es uns der Dichter freilich nicht leicht gemacht,den er nicht kräftig gering herausgearbeitet hat. Uud doch ist eruicht verzeichnet, er hat wirklich Kraft, sittlichen Gehalt, innereHeldenhaftigkeit, darin erinnert er an Paul Meyhöfer in „FrauSorge"; und wenn der Schauspieler aus ihm nicht allzusehr nurden verkümmerten, unterdrückten Schulmeister macht, so trauen wirihm schließlich den Sieg doch zu, da wir wissen, daß zum Tragenmehr Kraft gehört als zum junkerhaften Nossebändigen und Weiber-verführen. Endlich Elisabeth: das Goethesche Gedicht „Adler undTaube" fällt uns ein; der Rektor red't wie eine Taube und siehat Adlersflügel; sie tras des Jägers Pfeil, allgegenwärtiger Balsamallheilender Natnr wird sie im Schatten des Lindenbaumes imWirtschaftshof des Rektors gesunden lassen, gewiß! aber ach! dieSchwingkraft weggeschnitten. Damit daß sie erkennt, Röcknitz seikein Adlersjüngling, sondern ein ganz gemeiner Sperber und Ver-derber, ist die Sehnsucht ihres Herzens nicht gestillt, das weiseWort von der Genügsamkeit, die überall genug hat, ist in diesemFall nicht das rechte. Daruni glauben wir für sie nicht an dasScherbenglück im Winkel; und so tritt wie bei Sudermaun so oftan die Stelle des Abschlusses der Effekt, der einen Augenblick überdie Schwierigkeiten hinwegtäuscht, bis der Autor vor die Rampegerufeu seinen Beifall eingeheimst hat.
Endlich nach den .Morituri" ein biblisches Drama, der„Johannes". Für dieses Stück hat die Berliner Polizei die denkbarstärkste Reklame gemacht durch das völlig unmotivierte Verbot, dasnatürlich nicht ausrecht zu halten war. Diese Theatercensur, wiesie bei uns von den dazu gänzlich unbefähigteu Händen der nächstenbesten Polizeibehörde geübt wird, gehört auch mit zu den wider-spruchsvollen Zuständen um uns her: eine bureaukratische Allgewalt,die die Sittenpolizei nur zu lax handhabt, den Varietes durch dieFinger sieht, weil das ihrem eigenen Geschmack zusagt und dagegenfür Politische und religiöse Stoffe oder Anspielungen eine uervöseÜberempfindlichkeit und Ängstlichkeit besitzt.
Auch hier steht einer im Mittelpunkt, Johannes der Tänfer,