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Geldmassen können — soweit nicht ein spezifisches Volksbcdiirfnisnach Schatzlnldung gerade in Silber zu befriedigen ist — ohnejeden Anstand wohl nach den Ländern mit Silberwährung auch inGoldgold, nicht aber ebenso umgekehrt nach den Ländern mit Gold-währung auch in Silbergeld gemacht werden. Es lässt sich hiereine gewisso Analogie zu dem an früherer Stelle berührten Vorgangnicht vorkonnen, dass das nur durch lokale Konsumtion designierteTerritorialgeld nach Eintritt lebhafteren Verkehres mit der Fremdedem auch für den Ausländer als Geld annehmbaren Gute weichenmusste. Für den Handolsstand in dem Lando der Goldwährung istSilber eben nur Ware.
Das hier klargestellte Kausalitätsverhältnis wird doch nurwenig zutreffend angedeutet durch das, wie sich Roscher 1 ) nacheinigen eigenen ansprechenden Vorbemerkungen ausdrückt, „vonLord Liverpool entdeckte Gesetz, wonach die Menschen bei fort-schreitender Kultur immer mehr solche Waren als Geld be-nutzen, welche kostbar und nur zu feineren Bedürfnissen zubrauchen sind“. („Wenn die Kupfer Währung, mit der so vieleNationen angefangen haben, lästig wird, so geht man zur Silber-währung über, wenn diese wieder lästig wird, zur Goldwährung.“)Der Lichtschein, welcher aus einer so formierten allgemeinen Sen-tenz uns ontgegcnblinkt, beleuchtet mehr die aus der Folge ge-schichtlicher Thatsacheu resultierende Frage, als dass er sie beant-wortet, und für eine kritische Betrachtung stellen sich zunächstEinwendungen bei jedem dieser Worte ein. Die wachsende Aus-dehnung irgend eines Staates wird in diesem die Goldzirkulationbegünstigen, auch wenn ihr „Kultur“-Stätten und Blüten in Mengezum Opfer fallen. Wir können doch nicht bestreiten, dass geradeals das griechische Volks- und Staatsleben und als das römischeStaats- und Volksleben sich immer mehr zum Niedergang wandte,mehr und mehr das Silbergeld durch das Goldgeld ersetzt wurde.Und warum sollte das Bedürfnis, welches Gold befriedigt, ein feineres
') In dem anziehenden und lehrreichen Schriftchen: Betrachtungen überdie Währungsfrage der deutschen Münzreform (Heft 2 der von v. IIoltzendorfund Oncken herausgegebenen: Deutschen Zeit- und Streitfragen. Berlin 1872,S. 19 [77]).