Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
64
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um den Frieden zu erhalten, vermittelnd auf trat undsich bemühte, seine russischen Freunde zum Nach-geben zu bewegen.

Daß unsere Haltung auf der Londoner Konferenz,deren Hauptergebnis die Schaffung des unter öster-reichisch-italienischem Schutz stehenden FürstentumsAlbanien war, in Petersburg nicht gerade sympathischberührte, möchte ich annehmen, obwohl mir Berichteüber die dortige Stimmung weder damals noch spätermitgeteilt wurden. Berichte über die Gesamtlage, überdie Absichten und Strömungen in Petersburg oderWien erhielt ich ebensowenig, wie etwa geheimeAgentenberichte, die meinen eigenen Wirkungskreisbetrafen. Ich mußte daher erleben, daß der Marine-attache durch seine Behörde über geheime britisch-französische Abmachungen unterrichtet war, über diedas Auswärtige Amt, dem doch die geheimen Fondsund die entsprechenden Nachrichten zur Verfügungstehen, mich in Unkenntnis gelassen hatte.

Der Diplomat ist nicht Spion, ebensowenig wieetwa der Militärattache; jeder Versuch, durch un-erlaubte Mittel, wie Bestechung und dergleichen, Ge-heimnisse der Regierung, bei der er beglaubigt ist, zuerlangen, wäre gefährlich oder verhängnisvoll. Erwürde sich in die Hand fragwürdiger Persönlich-keiten begeben und Gefahr laufen, bloßgestellt undunmöglich zu werden. Er soll vor allem das Ver-trauen der maßgebenden Kreise in dem Lande ge-winnen, in dem er beglaubigt ist. Er soll, wenn mög-lich, der Freund des betreffenden Monarchen, der lei-tenden Minister sein, mit den führenden Kreisen, nichtnur den höfischen, sondern auch den kaufmännischenin Ländern, wo diese eine Rolle spielen, Fühlunghaben. Dann kann er Einfluß gewinnen und vermitteln,kann, falls er persönliche Sympathien zu erwecken