Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
87
Einzelbild herunterladen
 

den k, und k. Truppen besetzt, d. h. das serbischeLand nach dortigem Gebrauch verwüstet, Teile Ser-biens an die Nachbarn verschenkt und lediglich alsgroßmütiges Zugeständnis keine Erwerbungen seitensÖsterreich-Ungarns gemacht werden! Dies wurde inBerlin alskolossales Entgegenkommen" aufgefaßt. Undbei dieser Operation sollte Rußland , das bei jeder Ge-legenheit seine Bluts- und Glaubensgemeinschaft be-tont hatte, Zuschauer bleiben? Konnte man ernstlichannehmen, daß die öffentliche Meinung Rußlands , dieAlexander II. zur Befreiung der Glaubensbrüder inden Türkenkrieg hineindrängte, so etwas duldenwürde, selbst wenn Grey im Tone des Dreiverband-oberbefehlshabers es verlangt hätte? Man vergegen-wärtige sich den Vorgang: Am 23. Juli erscheintdas österreichisch - serbische Ultimatum, das klarerkennen ließ, daß es auf Ablehnung, d. h. aufKrieg, berechnet war. Rußland erklärte sofort undunzweideutig, es könne die Vernichtung Serbiens nichtzulassen. Das Versprechen keiner Gebietserwerbunggenüge nicht. Die serbische Antwort hatte beinahealles angenommen, über die beiden strittigen Punktewill Serbien unterhandeln. Österreich erklärt denKrieg. Wir unterstützen den österreichischen Stand-punkt, lehnen jede Einmischung ab und die Vermitt-lungsanträge Sir E. Greys. Auch der Vorschlag desZaren, die Angelegenheit dem Haager Schiedsgerichtzu übergeben, bleibt unberücksichtigt.

Nun frage ich, selbst wenn es geglückt wäre, Ruß-land passiv zu erhalten, welchen Vorteil konnten wiruns davon versprechen? Eine Verbesserung unsererBeziehungen zu Rußland , deren Verschlechterungauf der gehorsamen Unterstützung beruhte, die wirjederzeit bereit waren,unserm Bundesgenossen beiseiner antiserbischen Politik zu gewähren? Mußte