Da nun aber verfassungsgemäß die schwarzrot-goldene Flagge besteht, so läßt sie sich nicht einfachignorieren, zumal sie sich zum Symbol der republikani-schen Staatsform entwickelt hat. Anderseits ist nichtzu verkennen, daß das gesamte Auslandsdeutschtumwie die Mehrheit aller bürgerlichen Parteien bis indie Reihen des Zentrums und der Demokraten an denalten Farben des Norddeutschen Bundes und Deut-schen Reiches festhält und nichts vom Flaggenwechselwissen will.
Aus diesem Dilemma vermag — hier teile ich dieAuffassung Ihres heutigen Morgenblattes — eine neuephantasievolle „Kunstflagge“ nicht hinauszuführen,selbst wenn sie alle Vorzüge des „Esperanto “ besäße.Sie würde niemand befriedigen und den heutigenWirrwarr nur noch vermehren. Wir besäßen alsdannstatt zweier Flaggen drei!
Ich möchte mich daher der Auffassung anschließen,daß hier der Volksentscheid am Platze wäre. Sprichtdas deutsche Volk in seiner Mehrheit sich zugunstender einen oder der anderen Flagge aus, so ist die Fragefür immer erledigt. Eine andere Lösung sehe ich nicht.
Mit dem Anheimstellen beliebiger Verwendungmeines Briefes
Ihr sehr ergebener
Lichnowsky.