Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
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vorragende Zensur und einmal sogar dieBezeichnung »Zeitungs-deutsch" einbrachten.

Als Albert Ballin 17 Jahre alt war, starb im Jahre 1874der Vater. DesVatersGeschäft,das unter der ZirmaMorris L Co. geführt wurde, war ein Auswanderer-agentur-Geschäft. Es besorgte die Anwerbung und Expedierungvon Auswanderern für die transatlantische Schiffahrt. DasKontor war, wie in den alten Häusern üblich, mit der Wohnungverbunden, Familie und Geschäft wuchsen dadurch ineinander,das Geschäft wurde Familiensache, und die Kinder bekamenfrühzeitig Eindrücke von allem, worauf es bei seiner Hand-habung ankam. Der junge Albert Ballin um so mehr, da erseine Schularbeiten im Kontor zu erledigen pflegte ob ausInteresse für das Kontor oder vielleicht auch, weil er dortfreundliche Hilfe fand, darüber schweigt die Geschichte. Indas Wesen eines solchen alten Hauses mag eine kleine Ge-schichte versehen, die Ballin einmal mit viel Humor zumbesten gab. Die Familie hatte, was heute auch selten ge-worden, ein seit Jahren bewährtes Dienstmädchen, einFaktotum und Lchutzgeist des Hauses, mit den Kindern herange-wachsen und alt geworden. »Auguste" hatte keinen modernenFreiheitsdrang und begnügte sich mit einem jährlichen Aus-gang zu ihrer Famil e in Barmbeck, einem Hamburger Vor-ort. Eines Tages saß der junge Chef der Firma Morris L Co.in wichtigem geschäftlichen Gespräch. Da steckte das braveMädchen den Kopf durch die Tür des Privatkontos, um sichmit den Worten zu verabschieden: »Adjüs 00k Albert, ick gahhüt ut!" Es war ihr einmaliger jährlicher Ausgang!