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Eine Folge der deutsch -amerikanischen Vereinbarungen war,daß zur Kieler Woche dieses Jahres Morgan und seineFreunde zum Besuch erschienen, ein Besuch, der auch nach Ham-burg und Berlin ausgedehnt wurde, wobei die amerikanischenHerren große Aufmerksamkeiten auch vom Kaiser genossen.
Auf einer Konferenz der transatlantischen Linien in Köln im Dezember des Jahres machte Ballin abermals den Vor-schlag der Bildung eines Kajütspools. Aus einer dabeivorzunehmenden Preiserhöhung sollte ein Betrag von etwa1—2 Pfund Sterling pro Passagier ausgesondert und an einegemeinsame Kasse abgeführt werden. Der so geschaffene Fondssollte den Zweck haben, diealtenLchnelldampferauf-zu kaufen und zum Abbruch zu verkaufen, damit nach undnach die unwirtschaftlich gewordenen Dampfer vom Gzean ver-schwänden. Die Bildung dieses Kajütspools scheiterte aber andem Fernbleiben der Cunard-Linie, der man sogar die Aner-bietung gemacht hatte, daß man ihr ihren Kajütsverkehr undeinen Mehrgewinn von i o°/<> daraus garantieren wolle.
Die seit 1901 eingetretene, immer noch anhaltende Depressionim Frachtenmarkt wirkte auf das Geschäft der transatlantischenLinien sehr schlecht, insbesondere auch auf das der im Morgan-Trust vereinigten Reedereien, die über einen gewaltigen Schiffs-raum an Frachtdampfern verfügten, mit dem sie auf das nord-atlantische Geschäft angewiesen waren. „Es zeigt sich, wierichtig der Vertrag war", schrieb Ballin in seinen Aufzeichnun-gen, „den wirmit dem Trust gemacht haben, da er sonst zweifel-los versuchen würde, um seine vielen beschäftigungslosen Schiffein Tätigkeit zu erhalten, auf den deutschen Markt überzugreifen."