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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
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sierte und Morgan klarzumachen suchte, daß nur eine völligeRemedur, d. h. eine Beseitigung der leitenden Persönlichkeiten,eine Abhilfe herbeiführen könne. »Morgan weiß nur die Per-sonenfrage nicht zu lösen und machte mir die verlockendsten An-erbieten, falls ich selbst geneigt sein sollte, als Präsident desTrusts, wenn auch nur für ein oder zwei Jahre, nach New Dortzu gehen. Ich lehnte das schon im Hinblick auf meine Stellungzum Kaiser ab/

Weitere Besprechungen führten alsdann zu einer Änderungin der Leitung des Trusts nach Ballins Vorschlägen, denensich bei Verhandlungen, die auf der Rückreise in London ge-führt wurden, auch Mr. Pirrie anschloß.

Das Verhältnis zwischen der Cunard-Linieund den übrigen transatlantischen Reedereienhatte sich inzwischen gänzlich kritisch gestaltet. Die u n-garischeRegierung hatte seit längerer Zeit den Wunsch,aus dem bedeutenden Auswandererverkehr des Landes einengrößeren direkten Nutzen zu ziehen und wurde in diesem Wunschdurch private Kreise bestärkt. Dieser Wunsch ging dahin, denAuswandererstrom, statt ihn unkontrolliert über die Landes-grenze gehen zu lassen, nach Fiume zu lenken und von dortdirekt nach den Vereinigten Staaten zu befördern. Ballin hattebei den Pool-Linien seit längerem bereits ein Entgegenkommengegenüber der ungarischen Regierung befürwortet, damit aber keinGehör gefunden, insbesonderenicht bei demNorddeutschenLloyd,der der Hauptinteressent an der ungarischen Auswanderung war.

Nunmehr stellte sich im Frühjahr 1904 zur Überraschung derPool-Linien heraus, daß die ungarische Regierung mit der