Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
139
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An Bord der ^Empreß of China" zwischen Yokohama und Vancouver , den 17. April 1901.

.Inzwischen habe ich Gelegenheit gehabt, mich mit den in

Japan obwaltenden Verhältnissen in mehr als einer Beziehung leid-lich vertraut zu machen.

Das Land steht gegenwärtig einer wirtschaftlichen Krisis gegen-über. Gefördert durch ein leichtsinniges Kreditsystem hat der Importseit längerer Zeit den Bedarf weit überschritten, und nachdem man inder Erwartung einer inzwischen wieder vertagten Jollerhöhung aufZucker, eine für die japanischen Verhältnisse ungeheure QuantitätZucker noch ins Land geschafft hat, steht man jetzt einer Geldnot gegen-über, die jedenfalls für längere Zeit den Import lahmlegen wird.

Haben wir so mit einer Verminderung des ausgehenden Fracht-verkehrs mit Japan für einen hoffentlich nicht zu langen Zeitraum zurechnen, so haben wir neben diesem akuten Zustande für die zukünftigeGestaltung der Dinge hier einem viel einschneidenderen Faktor ins Ge-sicht zu sehen, das ist die Verdrängung des deutschen Handels durchden amerikanischen. Wie in China, so hat auch in Japan der Import

von Nordamerika außerordentliche Fortschritte gemacht. Ich

kann die Erkenntnis nicht unterdrücken, daß in diesem wirtschaftlichenKampfe ungeheure Vorteile auf amerikanischer Leite liegen. Liewerden mir gestatten, eine eingehende Begründung dieser Anschauung

meinem mündlichen Bericht vorzubehalten. Ich glaube, daß

wir recht tun, mit möglichster Beschleunigung eine Verbindung zwischenGstasien und der amerikanischen Westküste herzustellen."

Das Jahr 190z brachte eine Abänderung des Ver-trages über die Gstasienfahrt mit dem Nord-deutschenLloydim Zusammenhang mit einer weitgreifendenRegelung des Verhältnisses der beiden Gesellschaften überhaupt,das in mehrfacher Beziehung eine Trübung erfahren hatte. Inden Berichten Ballins aus Gstasien ist bereits hervorgehoben,