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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
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»Augusta Victoria" ihre übliche Grientreise in Neapel unterbrechenund die »Columbia" für sie einspringen mußte.

Mit der »Columbia" begab ich mich am 24. Mär; von Hamburg über Gibraltar nach Neapel , wo ich am Z1. März eintraf. Ich über- 'wachte dort persönlich die (Ordnung der Angelegenheiten, die sich mitBezug auf die Umänderung des Fahrplans ergaben, und gehe, mit denPassagieren zusammen, mit der »Columbia" nach Genua weiter. InGenua installiere ich an Bord einen Ingenieur, den die russische Re-gierung gesandt hat, um die Reise der »Columbia" nach New Aorkmitzumachen und fahre dann nach Nizza , wo ich einen etwa t 7tägigenUrlaub genieße, der allerdings durch geschäftliche Korrespondenzen undKonferenzen außerordentlich illusorisch gemacht wird. Ich befinde michdort gleichzeitig in der ärztlichen Behandlung des Professors Zchwe-ninger, den ich schon einige Zeit vorher in Berlin konsultiert hatte....

.Unser großer Kohlenkontrakt mit der russischen

Regierung ist inzwischen noch erheblich vermehrt worden. Die Aus-führung des Vertrages macht mir aber viel Sorgen, weil natürlich dieenglischen Blätter, besonders die »Times", diesen Vorwand benutzen,um die Neutralität Deutschlands zu verdächtigen. Bei der Schwächeunserer Regierung wirken diese Artikel natürlich sehr unerfreulich. Ichhatte Gelegenheit, die Lache mit dem Reichskanzler am Freitag, den2Z. September, in Homburg zu besprechen. Der Reichskanzleräußerte sich sehr besorgt über die Kohlenversorgung, weil er außer-dem noch ein langes warnendes Telegramm des deutschen Bot-schafters in Japan erhalten hat. Ich habe dem Reichskanzler gesagt,daß er auf die Größe des uns erwachsenden Schadens gar keine Rück-sicht zu nehmen brauche, daß vielmehr da, wo die Interessen des Reichesin Frage kämen, wir für unsere Interessen keine Rücksicht verlangen,und daß also, wenn die deutsche Regierung glaubt, daß es im Interessedes Reichs geboten sei, von der Ausführung des Vertrages Abstandzu nehmen, ich nur bäte, einen bezüglichen Befehl an uns ergehen zulassen. (Ohne einen solchen Befehl hätte ich natürlich ketn Recht, von

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