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einem unter völlig legalen Verhältnissen geschlossenen Vertrage zurück-zutreten. Ich machte den Reichskanzler aber gleichzeitig darauf auf-merksam, daß Deutschland , wenn es zu diesem Schritt sich veranlaßtsähe, die Gefahr liefe, sich zwischen zwei Stühle zu setzen, denn, währendman infolge der englischen Hetzereien kaum in Japan eine andere Stim-mung erzeugen könne, wäre die Lache für Rußland ein geradezu ver-nichtender Lchlag, denn Rußland würde unter solchen Verhältnissennicht in der Lage sein, die baltische Flotte hinauszusenden.
Von Frankfurt aus begab ich mich nach Berlin , um auf Wunschdes Reichskanzlers mit dem Auswärtigen Amt noch über die Kohlen-angelegenheit zu verhandeln. Ich hatte eine lange Konferenz mitRichthosen.
.l. Gktober 1904. Inzwischen haben unsere Geschäfte für
die russische Regierung guten Fortgang genommen, und fast meineganze Aufmerksamkeit nehmen diese mit viel Aufregung verknüpftenTransaktionen in Anspruch. Lie machen eine große Zahl von Reisenfür mich nach Berlin notwendig, weil ich es nicht nur für loyal, sondernauch für durchaus zweckdienlich halte, das Auswärtige Amt über das,was ich unternehme, nicht im unklaren zu lassen. Mehrere unsererHerren machen eine ganze Reihe von Reisen zwischen Lt. Petersburgund Hamburg , und fast täglich finden morgens Konferenzen der Direk-toren über die Lage der Dinge, veranlaßt durch die fast täglich ein-laufenden Telegramme aus Petersburg , statt. Um die Kohlenkontrakteauszuführen, haben wir eine große Zahl von fremden Schiffen charternmüssen, so daß zeitweilig bis zu 80 Dampfern für die Russenunterwegs sind. Zu dem Verkaufe der alten Schnelldampfer undder „Belgia" kommt noch der endgültige Verkauf der „Palatia" und„Phoenicia" an Rußland, sowie der von 9 anderen Dampfern unsererGesellschaft, darunter „Belgravia", „Assyria", „Ndria" und „Gra-nada" (die übrigen sind Frachtdampfer meistens aus dem westindischenDienste), gleichfalls an die russische Regierung, aber mit dem Rechtdes Rückverkaufs an uns. Die große Aufgabe, welche wir über-