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durch Widerstände hindurch zu finden, der andere ein Pionierauf kolonialem Gebiet, ein König in seinem afrikanischen Reich,ein Erschließet von Neuland, verbittert und in seiner innerenKraft gebrochen, als die Verhältnisse ihn zwangen, mit anderenzu teilen. Bei seinem Tode hat ihm Ballin in der Presse einenNachruf gewidmet, der vielleicht die beste Charakteristik desbedeutenden Mannes war und nicht der Vergessenheit anheim-fallen sollte. Er sei deshalb hier wieder aufgenommen.
»Mit Adolph Woermann ist ein Mann dahingegangen, der dasUrbild eines Hanseaten war. Der Staatssekretär Dernburg selbst sagtemir einst, daß er sich wohl bewußt sei, daß seine Leistungen für dieKolonien niemals diejenigen erreichen könnten, die Adolph Woermann unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen vollbracht habe.
»Wohl nie hat ein Privatreeder solchen Wagemut gezeigt, wie wirihn in der Woermannschen Reederei verkörpert sehen. Ghne staatlicheSubvention, im Gegenteil unter Überwindung von Hemmungen mannig-fachster Art, wie sie vom grünen Tisch zu kommen pflegen, hatWoermann die Verbindung zwischen Deutschland und seinen afrikanischenKolonien in einer Weise ausgebaut, an welche man selbst in England nicht heranreichen kann. Verlustreiche Jahre haben seinen Wagemutnie erschüttert, er hatte sein Ziel fest im Auge, und fast mit jedem Schiffe,das er im Interesse der Verbindung des Mutterlandes mit seinenKolonien erbauen ließ, schaffte er etwas Vollkommeneres und steigertedas ungeheure Risiko, das er persönlich auf sich zu nehmen hatte. Ertrieb praktischen Patriotismus, ohne auf die Hilfe anderer und be-sonders ohne auf die Hilfe des Staates zu rechnen.
Und nun ist er gestorben in Verbitterung. Konnte seine hünenhafteGestalt uns schon an den Eisernen Kanzler erinnern, so trat eineWesensähnlichkeit in den letzten Jahren frappant hervor. Es ist be-kannt, daß man Woermann nach Abschluß der kriegerischen Wirren inden Kolonien den Vorwurf machte, er habe das Reich übervorteilt.