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sich gewürdigt werden. Mich drängt es nur, heute aus eine mehr alszwanzigjährige gemeinsame Arbeit einen Rückblick zu werfen.
«Bis zum Jahre 1885 standen die beiden großen deutschen Schiff-fahrtsgesellschaften fast in keiner Fühlung miteinander; es herrschte imGegenteil eine offene Feindschaft. Die zeitweilig gemachten Annähe-rungsversuche, die auch wohl zu Verabredungen über einzuhaltendeTarife führten, waren immer nur von kurzer Dauer gewesen und hattendarum in den Beziehungen keine endgültige Besserung, sondern häufigeher noch eine Verschlechterung zuwege gebracht. Ich rechne es mirals ein Verdienst an, die Brücke zwischen Hamburg und Bremen ge-jchlagen zu haben, welche einer im Laufe von 20 Jahren immer engergewordenen Gemeinschaft den Weg geöffnet hat.
«Als ich im Jahre 1886, bald nach meinem Eintritt in dieHamburg-Amerika Linie, nach Bremen ging, um Verhandlungendarüber zu pflegen, wie man die Schärfe der Konkurrenz zwischen denbeiden großen Schiffahrtsgesellschaften mildern oder beseitigen könne,stand an der Spitze der Verwaltung des Norddeutschen Lloyd der DirektorLohmann, während das Präsidium des Aufsichtsrats der KonsulH. H. Meier führte. Daß H. H. Meier, der gemeinsam mit demDirektor Crüsemann als Gründer des Lloyd anzusehen ist, sich umdiesen und um Bremen überhaupt geradezu unsterbliche Verdienste er-worben hat, besonders auch durch seine geschickte parlamentarische Mit-arbeit im Deutschen Reichstag, ist zu bekannt, als daß ich weiter aufdie Tätigkeit dieses ausgezeichneten Mannes hier einzugehen brauchte.Es ist auch bekannt, daß H. H. Meier in den besten Zeiten desDeutschen Reichstages immer zu denjenigen gehörte, die das Ghr desHauses hatten, und daß es seiner außerordentlich fähigen Vertretungund seinem Einfluß zu danken war, daß Bismarck die Reichspost-dampferlinien in Bremen etablierte, obwohl damals der Verkehr sowohlmit Gstasien als mit Australien zum ganz überwiegenden Teile inHamburg lag.