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seits hatte man die Verbindung mit Ballin wohl hauptsächlichdeshalb gesucht, weil man darin bei seiner bekannten Freund-schaft mit dem Kaiser die Möglichkeit einer zunächst unver-bindlichen Anknüpfung mit der deutschen Regierung erblickte,der, wenn sie Erfolg versprach, die direkte Verbindung zwischenden beiden Regierungen jederzeit folgen konnte. Vei dertraditionellen engen Verbindung der englischen Geschäftskreisemit der Politik, den Parteien und der Regierung bedeutetedieser Gedankengang keineswegs eine Hintertreppenpolitik,sondern nur die Schaffung einer ersten Verbindung zur Son-dierung der maßgebenden deutschen Stellen.
Der Stand der deutsch -englischen Beziehungenim allgemeinen war zu jener Zeit etwa wie folgt.
Besuche des Königs Eduard in Wilhelmshöhe und desdeutschen Kaiserpaares in Windsor im Sommer 1907 hatteneinen sehr ffeundschaftlichen Verlauf genommen, und im Vereinmit anderen Bekundungen freundlicher Beziehungen zwischendeutschen und englischen Körperschaften auch die öffentlicheMeinung der beiden Länder günstig beeinflußt. Die Stimmungwurde aber alsbald wieder nervös. Zwischen England undRußland wurde ein Abkommen über asiatische Grenzfragengetroffen, das zu Anfragen im Reichstag führte, ob auch diedeutschen Interessen in Vorderasien gewahrt seien. Gleich-zeitig ging im Sommer 1907 die Haager Konferenz zu Ende,ohne eine Verständigung über die Beschränkung der Rüstungengebracht zu haben, die man in England gern gesehen hätte;und zu Ende 1907 brachte die deutsche Regierung beimReichstag eine Zlottennovelle ein, die die Lebensdauer der