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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
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er einen Feldzugsplan ausgearbeitet und der Königin übersandthabe, dem der von England wirklich ausgeführte sehr nahegekommen sei. Zu den deutschen Flottenbauten bemerkte derKaiser, daß Deutschland eine starke Flotte brauche, um in derFrage der Zukunft des Stillen Gzeans mitsprechen zu können,und endlich sagte der Kaiser noch mit Bezug auf die deutsche Stimmung gegenüber England , daß in weiten Kreisen dermittleren und unteren Schichten Deutschlands keine freundlicheGesinnung für England herrsche.

Dieses Interview, das in Deutschland einen unsagbarniederschmetternden Eindruck machte und zu den bekanntengroßen Debatten im Reichstag im November 1908 führte,während derer der Kaiser -- was auch sehr übel in der Nationempfunden wurde in Donaueschingen beim Fürsten Fürsten-berg zur Zagd weilte, und das in England wie im übrigenAuslande den Eindruck stärkster Wankelmütigkeit der deutschen Politik erweckte, ist, wie inzwischen bekannt geworden, nurdurch ein unglückliches Versehen zur Veröffentlichung gelangt.Es wurde vom Kaiser in korrekter Meise dem Fürsten Bülow nachNorderney gesandt, von diesem aber nicht gelesen, sondernnach Berlin an das Auswärtige Amt zur Prüfung weiter-gegeben, wo ein unglücklicher Eeheimrat es aber nur daraufhinprüfte, ob es tatsächlich unrichtige Angaben enthalte, dieseaber nicht darin fand, es mit einem entsprechenden Vermerkversah, woraufhin es wieder ungeprüst die Stadien der mini-steriellen Verantwortlichkeit passierte und zur Veröffentlichunggelangte. Diese Kette von Verhängnissen änderte freilichnichts daran, daß der Monarch die politische Tragweite dieser