Mitteilungen fühlen und sein Herz nicht in dieser offenherzigenWeise aus der Zunge tragen durste, — leider einer der Haupt-fehler des Kaisers — daß die Umgebung des Kaisers ihn so-wie den Kanzler sofort auf die große Tragweite der Veröffent-lichung hätte hinweisen, daß auch der Kanzler und das Aus-wärtige Ämt nach so viel trüben Erfahrungen auf den Kaiserund seine Auslastungen besser hätten aufpassen, und daß end-lich auch ein Geheimrat des Auswärtigen Amtes etwas politi-sches Verständnis hätte besitzen müssen.
Auf die Bemühungen deramtlichen Kreise, mit dem Aus-gleich der Spannung zwischen den beiden Nationen weiter zukommen, übte dieser Zwischenfall keinen Einfluß. Am 9.Februar 1909 machte das englische Königspcar den in BallinsBrief vom i z. Juli 1908 als so sehr erwünscht bezeichnetenoffiziellen Besuch in Berlin . Für die Bedeutung dieses hoch-ossiziellen Besuches sprach der Amstand, daß er erst im neuntenJahre der Regierung König Eduards erfolgte, wohl nicht zumwenigsten infolge des durchaus nicht freundschaftlichen Ver-hältnisses zwischen Gnkel und Neffe, wobei die begreiflicheAbneigung des Kaisers gegen den Lebenswandel seines Gnkelsals Prinz von Wales eine große Rolle spielte. Indes istes ja besser, derartige persönliche Empfindungen in Geschäftund Politik nicht mitsprechen zu lassen. In englischen offi-ziösen Kommentaren wurde die Bedeutung dieses Besuchesnachdrücklich unterstrichen, und auch die deutsche Presse tat das,wenn auch daneben warnende Stimmen erklangen, die voreiner Überschätzung solcher Akte warnten. Lehr kühl klangauch die Erklärung des Staatssekretärs v. Schön auf eine An-