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frage im Reichstag, ob von England eine Anregung zu einerVerständigung über die Zlottenbauten ergangen sei. Die Er-klärung ging dahin, daß ein formeller Vorschlag für eine Ver-ständigung, der als Basis für Verhandlungen habe dienenkönnen, nicht gemacht worden und wohl unterlassen sei, weiles unter befreundeten Mächten nicht üblich sei, Anträge zustellen, deren Berücksichtigung zweifelhaft sei!
Die Freunde der Verständigung, insbesondere Cassel undBallin, unterließen es trotz aller dieser Hemmungen nicht, deneinmal angeknüpften Faden weiter zu spinnen. Im Juli1909 warBallin abermals zum Besuche bei Casselund setzte die politische Unterhaltung fort. Er be-richtete darüber dem Kaiser wie folgt:
»Mein Freund, dem ich schon vor etwa acht Tagen in einem Pri-vatbriefe meinen bevorstehenden Besuch angekündigt und angedeutethatte, daß ich den Wunsch hätte, zu meiner persönlichen Informationbei dieser Gelegenheit auch das Gespräch fortzusetzen, welches wir vorJahresfrist über die Flottenfrage gepflogen hatten, schien sich inzwischenüber diese Angelegenheit maßgebendenorts völlig orientiert zu haben.2n der langen Unterhaltung, welche wir hatten, sprach er mit außer-ordentlicher Sicherheit, und jedes Wort schien vorher überlegt zu sein.
Ich sagte meinem Freund im Eingang unserer Unterhaltung, daßes ihn nicht Wunder nehmen könne, wenn angesichts der großen Auf-regung, welche in England über die deutschen Kriegsschiffbautenherrsche und einer feindlichen Stimmung gegen Deutschland als Unterlagediene, ich den Wunsch hätte, an die interessanten Gespräche wieder an-zuknüpfen, welche ich vor Jahresfrist über denselben Gegenstand mitihm gepflogen habe. Ich wies darauf hin, daß diese von einer gewissen-losen Presse und von unverständigen Parlamentariern in das Volk ge-tragene Erregung geeignet sei, ein ganz anderes Ergebnis zu zeitigen