Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

land würde zu einer Macht fünften Ranges Herabsinken, wenn es an-gesichts dieser Expansionen sich von Deutschland auf ein Programmfestlegen lassen würde. Deutschland habe seine überwältigend großeÄrmee, mit welcher es Österreich, Aalien, Rußland und Frankreich in Lchach halten könne. England habe nur die Flotte, um seine Welt-machtstellung stützen und seine Kolonien an sich halten zu können. Eng-land habe Gelegenheit gehabt, viele Jahrzehnte hindurch ein großesVermögen anzusammeln. Diese Zeiten seien vorbei. Anker der Re-gierung Kaiser Wilhelms II. , der mit nicht genug zu rühmendem Iiel-bewußrsein Deutschland in den Welthandel eingeführt, die deutsche In-dustrie und die deutsche Handelsschiffahrt zu nie geahnter Blüte ent-wickelt habe, habe England im Überseeverkehr immense Verluste er-litten. Der englische Handel ginge zurück, und zweifellos würde Eng-land nicht in der Lage sein, auf die Dauer bei seinem Freihandelsspstemzu beharren.

Äm schwerwiegendsten schien meinem Freund die Frage des öster-reichischen Kriegsschiffbaus zu sein. Dieser Umstand, im Zusammenhangmilder unsicheren Haltung Rußlands und der unberechenbaren Gestaltungder Verhältnisse in Frankreich , schien dem Könige besondere Zorge zubereiten. Mein Freund sagte mir schließlich, er hielte den Moment füreine Verständigung für Deutschland sehr glücklich, für England abersehr unglücklich gewählt. Man dürfe nicht über eine Einigung ver-handeln, während man sich fürchte. In England trete diese Furcht heutein sehr unliebsamer Weise zutage, und diese Erscheinung müsse inDeutschland den Eindruck hervorrufen, daß England bereit sei, eineEinigung herbeizuführen selbst zu ungünstigen Bedingungen. England sei ins Hintertreffen gekommen, nicht nur mit Bezug auf seinen Handel,sondern auch mit Bezug auf seinen Kciegsschiffbau. Die Konkurrenzim Welthandel in Zukunft siegreich zu bekämpfen, sei für England ausvielen Gründen wenig aussichtsvoll. Dagegen sei die Rusmerzung desungünstigen Verhältnisses im englischen Kriegsschiffbau nur eine Geld-frage. Die Mittel müßten und würden beschafft werden, um die englisch «