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Flotte wieder auf eine solche Höhe zu bringen, wie sie im Hinblick aufdie Weltlage erforderlich sei.
Ich erwiderte meinem Freunde, daß ich erstaunt sei über den völligenWandel seiner Ansichten in dieser Angelegenheit. Nicht das, was ergesagt, sondern das, was er nicht gesagt habe, ließe mich vermuten, daßin englischen Regierungskreisen, vielleicht nicht ohne Schuld der deutschenRegierung, dieAnschauungWurzel gefaßt habe, die Kaiserliche Regierungwerde nach Absolvierung des gegenwärtigen Zlottengesetzes auf eineweitere Expansion der deutschen Flotte verzichten und sich lediglich ausden langsamen Ersatz abgängig werdender alter Fahrzeuge beschränken.Lolche Anschauung könne nur dann eine gewisse Berechtigung haben,wenn man in England ein gleiches Lpstem adoptiere. Erachte man da-gegen in England , wie ich aus seinen Worten entnähme, den Zeitpunktfür gekommen, um die Ltärkeverhältnisse zwischen den beiden Länderndurch umfangreiche Neubauten zu verschieben, so würde man bald finden,daß man die Rechnung ohne den Wirt gemacht habe. Angesichts derhier herrschendeil Tendenzen müsse meiner, allerdings ganz persönlichenund völlig unmaßgeblichen Ansicht nach Deutschland auch über dasZlottengesetz hinaus darauf bedacht sein, die Kriegsflotte in einem solchenMaße zu erweitern, daß es einen Defensivkrieg mit sicherem Erfolgeführen könne. Ein zügelloses Kriegsschiffbauen auf englischer Leite be-deute also eine Schraube ohne Ende für beide Nationen.
Damit schloß die erste Unterredung, und ich nahm die Einladungan, am Abend bei Lir Ernest Cassel mit einigen prominenten Freundenzu speisen.
Als ich am Abend wieder erschien, war ich nicht wenig erstaunt,zu finden, daß ich der einzige Gast sei. Mein Freund sagte mir, er habedie anderen Herren unter dem Vorwande, daß er sich noch zu unwohlfühle, abbestellt, um mit mir allein zu sein. Es lag auf der Hand, daßer inzwischen über den Ausgang unserer Unterredung berichtet, und daßeine andere Stimmung Platz gegriffen habe. Es schien mir unzweifelhaft,daß dieser Umschwung herbeigeführt war durch meine Äußerungen über