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die Notwendigkeit einer ferneren Erweiterung der deutschen Flotte, wenndas bezügliche Vorgehen Englands dazu dränge. Dieser Eindruck erwiessich imVerlaufe der nun folgenden langcnBesprechung als durchaus richtig.
Cassel führte aus, daß das liberale Kabinett mit Bezug auf dieZlottenfrage „penn^vise snä pounckkoolislr" gehandelt habe.Das fühle heute die große Mehrheit des englischen Volkes, und dashabe die furchtsame und feindselige Stimmung in England hervor-gerufen. Die liberale Regierung habe damit ein großes Unglück angerichtet,und sich seiner Überzeugung nach dadurch selbst das Grab gegraben.Er glaube, es würde nicht lange dauern, bis man eine andere Parteiam Ruder sehe. Hätte das liberale Kabinett nicht seinen phantastischensozialpolitischen Ädern zu Liebe die Flotte vernachlässigt, so würde voneiner deutschfeindlichen Stimmung heute nicht die Rede sein. Dazu trätenerschwerend andere politische Fragen. Frankreich sei im Hinblick auf denfranzösischen Volkscharakter immer ein unberechenbarer Faktor gewesen.Es sei heute angesichts seiner innerpolitischen Lage aber unsicherer dennje. Demgegenüber stände die Zuverlässigkeit, mit der Deutschland dankseinem militärischen Übergewicht über Österreich disponieren könne. VonRußland wolle er gar nicht reden. Er habe die englische Annäherungan Rußland nie für klug gehalten.
Wenn man — und das habe er geglaubt, aus meinen Worten ent-nehmen zu dürfen — die Notwendigkeit zugäbe, daß England im Hinblickauf seine kolonialen und seine Welthandelsinteressen eine ausgesprocheneSuprematie auf dem Meere sich bewahren müsse, so glaube er, daß ver-ständige Männer schließlich doch eine Formel zu finden wissen müßten,welche eine Einigung zwischen den beiden Ländern sichere. Eine großeSchwierigkeit biete die von mir immer wieder betonte Forderung, daßEngland bei dem System des Freihandels verbleiben müsse. England könne in diesem Punkte wohl für sich, aber nicht für seine großen Koloniensprechen. Die Geschichte beweise, daß England die Vereinigten Staaten von Nordamerika aus seinem Besitze verloren habe, als es versuchte,ihnen in handelspolitischerBeziehungZesseln anzulegen. Daß Deutschland