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trotz der üblen Erscheinungen, welche sich jetzt bei der Reform der Reichs-sinanzen gezeigt haben, reich genug sei, um auch weiterhin seine Flottein bisherigem Äbstande zu England zu vermehren, schiene ihm zweifellos.Es sei eben der große Fehler des liberalen Kabinetts und anderer Be-rater des Königs gewesen, daß man geglaubt habe, das deutsche Zlotten-gesetz würde aus finanziellen Gründen nicht in vollem Maße durchgeführtwerden. Der Reichtum in Deutschland sei in viel höherem Maße ge-wachsen. als, seiner Meinung nach, selbst die deutsche Regierung unddie deutschen Zinanzkreise glaubten. Deutscher Wohlstand begegne einemüberall, man wende sich schon erstaunt auf der Straße um, wenn manheutzutage während der Saison in Ägypten oder in Italien die Touristeneine andere Sprache sprechen höre als die deutsche . Für ihn sei es jedenfallskeine Frage, daß Deutschland heute in der Lage sei, mit dem englischenKriegsschiffbau selbst dann Schritt zu halten, wenn dieser Schritt auchein recht lebhafter sei.
Daß England in absehbarer Zeit das System des Freihandels ver-lassen wü> de, halte er aus innerpolitischen Gründen für ganz ausgeschlossen,und, da ein Vertrag nicht für ewig zu schließen sei, sondern für eineReihe von Jahren, brauche seiner Meinung nach Deutschland eine solche,im Hinblick auf die Selbständigkeit der Kolonien unüberwindliche Fragenicht zur Bedingung zu machen; man könne hingegen in manchen anderen,zwischen den beiden Regierungen schwebenden Fragen englischerseits einfreundwilliges Entgegenkommen beweisen. Er sei also geneigt, seine amVormittag ausgesprochene Meinung dahin zu ändern, daß es sicherlichnur nützlich wirken könne, wenn einige verständige Männer,von beiden Seiten ernannt, zueinerBesprechungüberdiean-geregteAragezusammenkommen würden. Diese Zusammen-kunft müßte eine absolut sekrete sein, und Einigkeit müßte aus beiden Leitendarüber herrschen, daß es im Falle eines Erfolges bei einem solchenVertrage keine Sieger und keine Besiegten geben dürfe. Das sei eine„conäüio 8ine qun non".