Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
239
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Der Deutsche erwidert darauf, daß nichts so aufreizend ist wiedie selbstgerechte beleidigte Unschuld des Engländers. Unglück-licherweise bringen Beschuldigungen uns nicht weiter. Wasimmer an diesen Gefühlen recht oder unrecht sein mag, wirmüssen damit als Tatsache rechnen, und sie beschwichtigen,wenn wir können. Gibt es einen Weg, um das zu tun?

Wenn wir uns nicht selber täuschen wollen, müssen wiroffen antworten, daß es nichts gibt, das sofort geschehen kann.Es gibt keine Linie der britischen Politik, die geändert werden

kann. (Anmerkung des Kaisers: richtig.) Es gibt kein Ar-gument oder eine besondere Erklärung, die beruhigend wirkenkönnte. Nationen akzeptieren niemals ihre gegenseitigen Un-schuldserklärungen. Sie beschäftigen sich mit dem Vorhanden-sein bestimmter Kräfte, deren Gebrauch mit Sicherheit nichtvorher gesagt werden kann. Regierungen kommen und Re-gierungen gehen. Die Macht, die eine Regierung für die Ver-teidigung bestimmte, mag in der Hand ihres Nachfolgers zumAngriff dienen, wenigstens sagen das die Staatsmänner, wennsie auf hohem Pferde sitzen; für alle praktischen Zwecke machtes einen gewaltigen Unterschied, ob sie zueinander in freund-lichen oder feindlichen Beziehungen stehen. Das große österrei-chisch-ungarische Heer kann einmal gegen Deutschland gebrauchtwerden, aber die deutschen Staatsmänner sind zufriedengestelltin der Annahme, daß es für Deutschland gebraucht werden wirdFrankreichs Lage und Seemacht mag vielleicht gegen Groß-britannien gebraucht werden, die britischen Staatsmänner abergeben sich mit der Annahme zufrieden, daß Frankreichs Po-litik eine wohlwollende sein wird. Wenn in ähnlicher Weise