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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
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Besuch in Deutschland , und damit die beiderseitigen Marine-männer an einen Tisch zu bringen sein würden. Das war stetsein Lieblingsgedanke von Ballin gewesen, weil er auf Grundseiner langen geschäftlichen Erfahrung in schwierigen Ver-handlungen wußte, daß nichts mehr die Menschen auf die Dauerauch geistig trennt, als wenn sie niemals persönlich zusammen-kommen, und niemals die Gelegenheit haben, sich persönlichzu sehen und aus eigener Anschauung das Wesen und die Ge-danken desanderen kennen zu lernen. Auch waranzunehmen, daß,wenn die beiden wirklich verantwortlichen Männer, Churchill und Tirpitz, in Verhandlungen zusammengesessen hätten,auf beiden Leiten das Verantwortungsgefühl zu groß gewesensein würde, um es zu einem Mißerfolg der Verhandlungenkommen zu lassen.

Leider kam es zu einer solchen Begegnung nicht, sondern nurzu einem Vorläufer dafür, dem Besuch des MinistersHaldane in Berlin.

Aber die erste Anregung zu diesem Besuch liegt schriftlichesMaterial nicht vor, wohl aber geht aus allem hewor, daßdie erneute Anregung zu diesem Verständigungsversuch aber-mals von Cassel und Ballin ausgegangen und bei Herrnv. Bethmann auf empfänglichen Boden gefallen war. Dennauf ein mit Zustimmung (richtiger wohl im Auftrage) des Kanz-lers von Ballin nach London an feinen Freund gesandtes Tele-gramm traf am 2. Februar 1912 bei Ballin, der sich zur För-derung dieser Verhandlungen in Berlin befand, eine Antwortein, in der mit einem Dank des Ministeriums des Auswärtigenfür die Einladung zur Besprechung in Berlin und für den