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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
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befreundet und habe keinen Grund, gegen ein Abkommen mitDeutschland zu intrigieren, das doch der Erhaltung des Friedensnur förderlich sein könne.

Als ich dann den weiteren Inhalt des Briefes erzählte,namentlich auch den Hinweis auf die Verringerung der deutschenZlottenvorlage, erklärte Cassel, er sei mit den Details nichtso vertraut, er habe seiner Zeit in seiner Darstellung für dieenglische Regierung nur von den Linienschiffen gesprochen,und über das andere sei er vielleicht zu rasch weggegangen;er ließ ferner ziemlich deutlich durchblicken, daß auch Haldanein Berlin zu weit gegangen sei und Erklärungen abgegebenhabe auf einem Gebiet, das er nicht beherrsche. Nachher habedann die Kritik der Zlottenvorlage im englischen Marine-Ministerium eingesetzt und alsdann habe er bereits vor seinerAbreise noch in Cannes einen Brief von Winston Churchill bekommen, der sehr böse gehalten gewesen sei. Churchill hättedarin erklärt, Deuschland habe einen so langen Wunschzettel,den England erfüllen solle, daß man dann wenigstens einEntgegenkommen in der Flottenfrage finden müsse. Alleshänge jetzt von Churchill ab; stelle man ihn zufrieden, sokomme alles übrige sicher zustande. Churchill und Lloyd George seien die besten Freunde des Abkommens. Unser Freund ließauch deutlich erkennen, daß man in England mit einer Hinaus-schiebung der deutschen Vorlage, also der bekanntenVer-langsamung des Tempo" zufrieden sei. Aber nur, wemHerr Ballin das erreichen könne, verspräche er sich von denVerhandlungen Erfolg. Man müsse das Eisen schmieden,so lange es heiß sei, und dieses Eisen sei schon etwas kalt