Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
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unterrichtete Ballin den Reichskanzler in einem Briefe, in demes u. a. hieß:

»Ich habe bei der Kürze meines Aufenthalts in Paris mich nurzu orientieren vermocht über die Anschauungen in der Hochfinanz. 2nFrankreich ist ja aber die Stimmung, die sich in der Zinanzwelt geltendmacht, sehr maßgebend. Man hält die politische Situation für ausge-sprochen sriedlich, sreut sich, daß die Marokko -Sache unter Dach undZach ist, und ist gegenwärtig eigentlich frei von politischen Beklemmungen.Eine Einigung zwischen Deutschland und England würde die französischeZinanzwelt mit großer Freude begrüßen. Meine Freunde versichernmich, daß auch in der Regierung gegen den Gedanken einer solchen Ver-ständigung keine Abneigung herrscht, daß man sich im Gegenteil Vorteildavon verspricht. Man glaubt allerdings nicht daran, daß diese Einigungzustande kommen wird, weil man annimmt, daß die deutsche Volks-stimmung zu sehr dagegen ist. Wenn trotz dieser Stimmung in einfluß-reichen und maßgebenden Kreisen der Eindruck einer gewissen Kriegslusiin der französischen Nation sich dem Fremden aufdrängt, so ist zu einemgroßen Teil das eine Reflexerscheinung der Agitation desMattn" für dieUnterstützung der Zlugtechnik durch freiwillige Beiträge. Die Franzosenbegeistern sich an diesem Gedanken, und da der Gedanke einen absolutkriegerischen Hintergrund hat, sprichtder Mann in der Straße" auchin Verbindung mit den französischen Erfolgen in der Aviatik von einemsiegreichen Kriege."

Ferner erhielt ich aus London telegraphische Mitteilungenzur Weitergabe an den Kanzler. Danach hatte Ballin in Unter*redungen mit dem deutschen Botschafter sowie mitHaldane fest,gestellt, daß man in London die Mannschaftsvermehrung in derdeutschen Flottennovelle viel höher berechnete, als die in Berlin gegebenen Zahlen waren. Eine Aussprache zwischen Fachleuten,um diese Differenzen aufzuklären, wäre daher sehr erwünscht.