Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
265
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Ballin hatte ferner den Eindruck, daß das englische Ministeriumund der König nach wie vor die Lache sehr wünschten, undkeinerlei Unstimmigkeit im Kabinett darüber vorhanden sei.Eine mehrstündige Unterhaltung mit Churchill bestätigte dieseEindrücke. Man hatte in London geglaubt, die Mannschafts-verstärkung betrage höchstens die Hälfte, war auch erschrecktüber die große Zahl der Torpedoboote und Unterseeboote, aberda die Ziffern, welche man in London herausrechnete und welchein dem schon vor längerer Zeit von der britischen Regierungübermittelten Memorandum angegeben waren, von deutscherLeite als nicht zutreffend bezeichnet wurden, sei Churchill ganzeinverstanden, daß ein Sachverständiger von jeder Leite dieRichtigstellung der Irrtümer bewirke. Churchill sei durchdrungenvon dem Wunsche, die Lache zu gutem Ende zu führen undhoffe immer noch durch einen Neutralitätsvertrag die deutscheRegierung zu bewegen, die Flottenvorlage zu ermäßigen.

Nach diesen Feststellungen trat Ballin sogleich die Rückreisenach Berlin an, da er eine weitere Einwirkung von privaterLeite nicht für gut hielt und überzeugt war, daß die im Gangebefindliche Besprechung des Neutralitätsvertrages in den Hän-den des Botschafters bestens aufgehoben war.

2 n Berlin hatte man sich aber inzwischen ent-schlossen, von der Flottenvorlage nichts mehrabzulassen. Mit dieser Mitteilung wurde Ballin dort em-pfangen, als er, von London zurückgekehrt, am 16. März beimKaiser und Kanzler war.

Von Lir Ernest Cassel wurde alsdann der englischen Regierungvorgeschlagen, die Verhandlungen über dasNeutralitäts-