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Sie enthielt auch den Vorschlag des „naval koliäa^", d. h.einer beiderseitigen Pause im Zlottenbau. Jedenfalls erschiensie uns damals als durchaus geeignet, die Ansichten bei unsüber die Konsequenzen der unausgesetzten Marinerüstungen zuklären. Ich habe sie damals ins Deutsche übertragen, und mitHilfe eines der Verständigungskomitees in Deutschland ver-breitet. Freilich ohne Erfolg. Denn in beiden Ländern bestandenja starke Gruppen, die der Ansicht waren, daßdieVerständigungs-bestrebungen doch keinen Erfolg haben könnten und daß das»parnre bellum" das einzig Richtige sei. Nur ein starkerpolitischer Wille hätte diese Schwierigkeit überwinden können.Aber Herr v. Bethmann hielt ja die Aufgabe für innerlichunlösbar, und über den Kaiser hatten nach seinem Änfangs-enthusiasmus wohl andere Einflüsse die Gberhand gewonnen.Ballin führte später das Scheitern der Aktion u. a. daraufzurück, daß Kaiser und Kanzler es unternommen hatten, selberdie Lache von Anfang bis zu Ende durchzuführen, statt siedurch den Staatssekretär des Auswärtigen und den Staats-sekretär v. Tirpitz durchführen zu lassen.
Ein Streiflicht auf die Ursachen, an denen diese letzte großeVerständigungsaktion gescheitert ist, werfen übrigens auchGerüchte, die im März 1912 in der deutschen Presse verbreitetwurden und denen zufolge der Staatssekretär Kiderlen abgehenwollte, weil er zu den Verhandlungen mit England nicht genughinzugezogen sei, wonach ferner die Stellung des Reichskanzlerserschüttert und Tirpitz unzufrieden sein solle, weil die Flotten-vorlage nicht genug bringe. In all den Gerüchten saß wohl