27 l.
v. Marschall, in politischen Kreisen und von der englischenPresse sehr sympathisch und mit hohen Erwartungen für dieweitere Besserung der Beziehungen unter dem Einfluß seineranerkannt großen diplomatischen Begabung begrüßt. DerKaiser habe »seinen besten Mann" geschickt, das beweise, welcheBedeutung auch er auf die Besserung der Beziehungen lege.Aber v. Marschall wurde schon im September 1912 durch denTod von seinem Posten abberufen, und ihn besetzte im Oktoberder Fürst Lichnowsky. Lein Bemühen um die Beziehungender beiden Länder ist aus seiner Denkschrift bekannt. Nicht zuunterschätzen ist neben der Tätigkeit der Botschafter die in derÖffentlichkeit weniger sichtbare, aber mit großer Geschicklichkeitund Konsequenz durchgeführte Wirksamkeit des Botschaftsrats,späteren Staatssekretärs v. Kühlmann. Dank seinen sehrguten persönlichen Beziehungen zu den leitenden englischenPersönlichkeiten, insbesondere zu Sir Edward Giey, hat er,namentlich in der Zeit der Botschafterwechsel, sehr viel zurAufrechterhaltung guter Beziehungen und zur Erhaltung deseuropäischen Friedens, besonders während der Zeit des Balkan-krieges, getan. Lein besonderes Bemühen galt auch der Aus-arbeitung der Kolonial-Abkommen, desjenigen über die Bagdad-Bahn und des über die afrikanischen Fragen, die beide Mitte1914 zur Unterschrift fertig waren, und von denen man daserste wohl als ein Zeichen nicht nur wesentlich gebesserter deutsch-englischer Beziehungen, sondern auch dafür ansehen durste,daß England nicht bereit war, in kleinasiatischen Fragen sichnur nach russischen Wünschen Zu orientieren. Wer sich nach-träglich für die Möglichkeiten deutscher Expansion im Ein-