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eine solche Propaganda ins Leben zu rufen, besonders in einerim ganzen so wenig einhellig eingestellten Presse, wie es diedeutsche damals war. Aber noch schwerer ist es, eine solche,einmal begonnene Propaganda wieder aufhören zu lassen oderauch nur einzuschränken. Das ist deshalb so schwer, weil dieVoraussetzung für eine intensive Propaganda die Änteressie-rung einer großen Zahl einzelner Individuen ist. Diese als-dann, wenn der Zweck der Propaganda erreicht, ihre intensiveFortsetzung vielleicht nicht mehr erwünscht ist, umzustellen odergar, wie man sagt, »zurückzupfeifen", ist schwer, ja unmög-lich. Das Thema von den Leeinteressen Deutschlands schwandnicht mehr von der Tagesordnung, und mußte für jede Flotten-novelle wieder herhalten, ja sogar für die Vergrößerung desNord-Gstsee-Kanals auf die Dimensionen der »Dreadnoughts"mußte die ständig zunehmende Vergrößerung der Lchiffs-bauten der Handelsflotte eine Begründung abgeben, obwohlniemand daran dachte, diese großen Neubauten durch denKanal zu schicken, weil die Tiefe der Gstsee und ihrer Zu-gänge den Betrieb solcher großen Schiffe dort nie erlaubt hätte.Voll Bitterkeit erklärte Ballin in späteren Jahren manchmaldie Schriftsteller, die kein Ende des Lobes finden konnten fürden »Wagemut unserer Handelsflotte" usw., für die größtenFeinde der Hamburg-Amerika Linie .
Neben der Flottenpropaganda waren es die besonderenAufgaben, die die Reichspolitik in Form der Truppentrans-porte nach Gstasien und Südwestafrika der deutschen Handels-flotte stellte, was den Kaiser besonders interessierte, sodanndie häufigen Begegnungen mit Schiffen der Handelsflotte auf