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ihn dabei mit guten, treuen Augen angesehen habe. Unddaß er die offenen Äußerungen Ballins nicht übel genommenhat, bezeugt das herzliche Interesse, mit dem er u. a. anpersönlichen Ereignissen in der Familie Ballin, so an derVerlobung der Tochter, Anteil nahm, und das auch den TodBallins überdauert hat.
Da aber die Besuche beim Kaiser immer nur sporadischwaren, häufig mit monatelangen Pausen, und viel seltener,als die Welt im allgemeinen angenommen hat, Ballin auchvon dem Rechte, dem Kaiser direkt zu schreiben, nur in Aus-nahmefällen Gebrauch machte, so kann auch von einer dauerndenBeeinflussung des Kaisers nicht entfernt die Rede sein, eben-sowenig, so gern auch der Kaiser die Ansichten Ballins gehörthaben mag, ihnen auch manches Mal vielleicht Beachtungschenkte, von einer wirklichen Einwirkung auf den Gang derPolitik. Im gegebenen Falle (vergl. das Kapitel „Politik")jedenfalls erwies sich Ballins Einfluß und das Schwergewichtseiner Gründe nicht als zureichend, um gegen den Einflußanderer Leute, die dem Kaiser dauernd näher waren, sein Zielzu erreichen.
In dieserHinsicht ist die Bedeutung der Freundschaft Ballinsmit dem Kaiser vielfach stark überschätzt worden, noch mehr,soweit sie den daraus der Hamburg-Amerika Linie erwachsenenNutzen betrifft. Ein Kollege Ballins im Vorstand der Ge-sellschaft hatte durchaus recht, wenn er behauptete: „DieFreundschaft Ballins mit dem Kaiser hat der Hamburg-AmerikaLinie mehr geschadet als genützt." Indirekt hat diese Freundschaftnatürlich das Ansehen der Gesellschaft im 2n- und Auslande