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Obersten Heeresleitung über die Lage, wie sie wirklich war,Aufklärung geben sollte, auch da ließ man ihn nicht mit demKaiser allein reden, und darum versagte auch sein Einfluß. DieFernhaltung des Kaisers von der Wahrheit war sein und seinerNation Unglück. „Dem Kaiser berichtet man nur Gutes, ersieht darum die Dinge nicht, wie sie sind", solche Aussprüchewaren Ballins Urteil in dieser Zeit.
Dabei fehlten dem Kaiser nach Ballins Ansicht weder dieGabe noch die Selbständigkeit des Llrteils, um richtigere Bahnenzu gehen als er sie gegangen ist. Der Kaiser habe manchesMal, erzählte Ballin, auch in der Politik das richtige Urteilgehabt, aber es nicht auf sich nehmen wollen, gegen das Urteilder verantwortlichen Leute zu handeln. I.B. habe er vor dembekannten "Panthersprung" nach Agadir (der Entsendung desKanonenbootes »Panther" nach dem marokkanischen HafenAgadir) — es war in der Kieler Woche des Jahre 1911 —in großer Erregung erklärt, das sei doch ein so wichtiges undweittragendes Unternehmen, daß man es nicht ohne weiteresund ohne Kenntnis der Nation unternehmen könne, habe sichdann aber doch schließlich widerstrebend dem Vorschlag derverantwortlichen Politiker gefügt. Ebenso sei ihm Tirpitzdurchaus kein sympathischer Mann gewesen, keineswegs derMann nach seinem Herzen, aber er habe sich ihn gefallen lassen,weil er geglaubt habe, die Tirpitz'sche Marinepolitik sei dierichtige und er dürfe sich weder ihr noch dem Träger im Interessedes Landes widersetzen. Dabei ist der Ehrgeiz des Kaiserssicher niemals dahin gegangen, eine Kampfflotte gegen England im Sinne einer »Nisikopolitik" zu schaffen, und seine mannig-